Hauptteil

Notizen über den Krieg

Dienstag, 04. Juni

DSCF2631Die bereits in den letzten Tagen notierte veränderte, da kontrollierte und reglementierte Nachrichtenlage zur Situation im Bürgerkrieg in der Ukraine lässt eine Kommentierung des Eingangs von unbestätigten Meldungen über eine kontinuierliche Ausweitung der Kämpfe mit immer mehr vermeldeten Toten auf beiden Seiten kaum zu. Die angekündigte „Ausradierung“ der „Terroristen“ genannten Aufständischen durch die sehr heterogenen Regierungstruppen – so wurde über den Einsatz von privaten ausländischen Sicherheitsfirmen und von Kontingenten vom „Rechten Sektor“ berichtet, der Einsatz von Kampfhubschraubern und -flugzeugen, der Artilleriebeschuss von Wohngebieten scheint gesichert – geht seinen Gang und die Beschreibung des konkreten Front- und Kampfverlaufs muß späteren Historikern überlassen werden.

Wie sehr ein zuerst so gemäßigt daherkommende Aufstand in nackte totale Gewalt umschlagen kann, zeigt der wieder mehr in den Vordergrund der gelenkten Öffentlichkeit gerückte Bürgerkrieg in Syrien, der nach drei Jahren sich steigernder Auseinandersetzungen die Dimensionen eines Großen Krieges mit unbestimmten Ausgang angenommen hat. Assad festigt derzeit deutlich seine Position und man spricht schon vom Wiederaufbau des zerstörten Landes, während die USA unter Obama ankündigen, ihnen genehme syrische Widerstandskämpfer großzügiger zu unterstützen. Alarmiert sind bereits die „westlichen“ Dienste und gehen von mehreren Tausend Freiwilligen aus Europa und den USA auf Seiten der Djiadisten aus, die, sofern sie nicht in Syrien sich aufopfern, als lebende Zeitbomben in ihre Heimatländer zurückkehren (könnten). In Brüssel hat einer dieser Rückkehrer sein Live-Training des Djihad in Syrien schon zu einem Attentat auf eine jüdische Einrichtung mit vier Toten genutzt. Die von den Golfstaaten finanzierten ausländischen Kämpfer gegen Assad, in dem geheimen Krieg mischen ja nicht nur die USA mit, potenzieren die zukünftige „Terrorgefahr“ in den westlichen Inseln der unbeschränkten „Freiheit“ und „Demokratie“.
Von allen Seiten bedrängt, von Putin im Osten, von den Flüchtlingen im Süden, von immer mehr gewaltbereiten einheimischen „Einzelkämpfern“ für einen absoluten Islam, von den rechten „Populisten“ mit zunehmenden Masseneinfluss, gibt es für die EU kein gesichertes friedliches Hinterland mehr, in dem man, sofern man zur Zweidrittelgesellschaft der Situierten gehört, das „schöne“ Leben genießen kann. Besonders dann nicht, wenn die verdrängte Krise von Euro und Ökonomie zurückkehrt. In dieser einen unseren Welt wird mit Sicherheit jede Ungerechigkeit und jedes Verbrechen zur gegebenen Zeit eingeklagt, da bin ich mir sicher. Die „Empörten“ aller Länder können nur zeitweise stillgestellt werden, denn zugroß und schreiend sind die aufgelaufenen Widersprüche. „Revolution ist machbar, Frau Nachbar“ hieß es schon einmal vor dreißig Jahren nicht nur in Berlin, der ungekrönten Hauptstadt der „Zivilisation“.

PS: Genug pamphletiert, wird Zeit dass ich nach dieser Einleitung zu den gesicherten Fakten zurückkehre!

Freitag, 06. Juni

0993Nur beiläufig taucht am Donnerstag eine kurze Meldung über ein Land auf, welches in unzähligen Ethno-Berichten ein Faszinosum der arabischen Welt verkörpert: Es geht um den Jemen, wie Deutschland bis 1989 in einen „kapitalistischen“ Norden und einen „sozialistischen“ Süden gespalten, der seit der Wiedervereinigung in immer zunehmenden Maße in Gewalt versinkt, von Stammeskonflikten bis zu al-Quaida-Terror. Ein kurzer Ausflug in den arabischen „Frühling“, um den ungeliebten Herrscher loszuwerden, was gelang, dieser wurde von der Führungsmacht der arabischen Halbinsel Saudi-Arabien augenommen, brachte dem Land der Königin von Saba kein Glück. Seit April wären durch eine Offensive der Zentralregierung in schweren Kämpfen 500 al-Quaida-Kämpfer getötet worden, dazu bei Stammeskämpfen im Norden in den letzten Tagen eine unbestimmte große Anzahl, man vermeldete in letzter Zeit diverse Drohnen-Angriffe und ganz aktuell, dass im Süden zwölf Soldaten und ein Zivilist bei einem Gegenangriff von al-Quaida ihr Leben veloren. Von Reisen in das einstige mittelalterliche mystische Traumland mit seinen Lehmhochhäusern wird dank einer florienden Entführungsindustrie durch rebellische Stämme vom Auswärtigen Amt schon lange abgeraten!

Etwas weiter nördlich, in Palästina, ist der von den USA initiierte Friedensprozess sanft entschlafen und seit der Bildung der technokratischen Übergangs-Einheits-“Terrorregierung“, so die Sprachregelung Israels, aus Hamas und PLO droht der neben Korea längste internationale Konflikt weiter zu eskalieren, da der Bau von weiteren 1.500 Wohnungen in Jerusalem und der Westbank als Vergeltung für das unbotmäßige Verhalten der Palästinenser beschlossen ist. Nicht nur die „Schandmauer“ schnürt weiter den sich bildenden palästinensischen Staat ein, nicht nur bleibt der Gaza-Streifen isoliert, nicht nur warten Millionen palästinensischer Flüchtlinge auf ihr Rückkehrrecht, nicht nur wohnen bereits 700.000 israelische Siedler auf enteignetem Land in der Westbank, darüber hinaus hält Israel weiter tausende Palästinenser gefangen, ob diese nun Terroristen oder Freiheitskämpfer sind, sei dahingestellt. Das Existenzrecht Israel, vom palästinensischen Präsidenten Abbas mehrfach, auch jüngst, anerkannt, wird so (wieder) in Frage gestellt und die Sicherheit jüdischer Menschen, siehe Brüssel, weltweit bedroht. Ich vertrete seit Jahren die These, dass der Endkampf der Schlacht zwischen „Gut“ und „Böse“, zwischen Orient und Okzident, im „clash of civilisation“ um Jerusalem ausgetragen wird. Syrien ist dazu eine Ouvertüre.

Einige tausend Kilometer südwestlich ist seit der Entführung der dreihundert Schulmädchen durch die Boko Haram Nigeria auf der täglichen Vermeldeliste von Massakern. In den letzten 48 Stunden wurden, ein neuer Höhepunkt der Gewaltexzesse, mehrere hundert Dorfbewohner im Norden massakriert, trotz oder wegen der verstärken Versuche der nigerianischen Sicherheitskräfte und ihrer Luftbeobachter aus der Nato, gegen die Boko Haram vorzugehen. Über die anderen „Konfliktherde“ auf dem schwarzen Koningent liegen dagegen keine neuen Meldungen vor, man(n) kann ja dem Publikum nicht zuviel zumuten.

In der europäischen Ost-Ukraine, die nach bemerkenswerter An- und Einsicht der Kiewer Regierung droht, ein neues „Somalia“ zu werden, tobt ein von Tag zu Tag sich steigernder Bürgerkrieg, und da geregelte Nachrichtensperre in unseren Medien herrscht, ohne Berichterstattung vor Ort. Die Aufmerksamkeit heute und seit Tagen ist das Aufeinandertreffen der führenden Staatsmänner plus einer Frau mit dem russischen Präsidenten bei den Feierlichkeiten zum sog. D-Day in der Normandie. Mit dem ungeliebten Gast Putin, dem Paria aus Sicht des Westens, wird in diversen Vier-Augen-Gesprächen Tacheles geredet. Entweder Kapitulation oder Sanktion.

Noch ein paar Worte zum eigentlich wichtigen. DAX und Dow Jones erklimmen neue Höchst- und die Zinsen neue Tiefstmarken. In der besten aller Welten, dem Reich des Geldes, scheinen die sich abzeichnenden Tendenzen einer beginnenden Agonie nicht zu gelten. Noch verschärft man bei uns nur den Asylzugang, um die menschliche „Flut“ aufzuhalten, die die Probleme dieser Welt an unsere Haustüren spült. Weitere Kürzungen bei den Sozialleistungen, speziell für die Arbeits- und Verwertungsunwilligen, sind in der Pipeline. Aber wir sollten nicht zu schwarz sehen, denn die Pfingstfeiertage mit Traumwetter fordern es gerade zu heraus, das Leben zu genießen.

Sonntag, 08. Juni

1167In die neue Woche geht die Ukraine mit dem dreifachen Versprechen des nun vereidigten Oligarchen und Präsidenten Petro Poroshenko, schnellstmöglich Mitglied der EU werden, die Rückgabe der Krim unter allen Umständen anzustreben und die „Terroristen“ in der Ostukraine entschieden zu bekämpfen. Dies führte zum anerkennenden Kopfnicken bei den anwesenden fünfzig ausländischen Repräsentanten, darunter unseren besonders begeisterten Bundespräsidenten Gauck, und zu Beifallstürmen bei den Abgeordneten, die auch schnellstmöglich neu gewählt werden sollen. Während unsere Medien darüber vor Selbstzufriedenheit strotzen, fordert das in die Defensive gedrängte Russland durch Medwedew und Putin eine Waffenruhe und sichere Korridore zur Evakuierung der Bevölkerung und der Aufständischen. Die Nachrichtensperre über die Ereignisse in dem „Neuen Russland“ von Luhansk und Donezk lässt nur nachgeordnete kleine Meldungen über einne anhaltende Beschießung der „Hochburgen“ der Aufständischen zu, die zu Wassermangel und Stromausfall bei der teilweise flüchtenden Bevölkerung führen. Opfer der Säuberungsaktion werden nur beiläufig erwähnt, so auch der Abschuss eines Transportflugzeugs.

Wurde hingegen vor Tagen die Situation in Syrien ausführlicher kommentiert, so ist seit gestern die Lage im Irak anscheinend so ernst, dass über ganze Anschlagserien in Bagdad, über die Erstürmung der Universität von Ramadi durch die Djihadisten von der ISIS und über viele Tote bei Kämpfen um das nordirakischen Mossul berichtet werden muss. Schließlich ist es der Krieg der USA, der sich angesichts von Tausenden Toten in den letzten zwölf Monaten im Irak und des Erstarkens der islamistischen Aufständischen blamiert!

Nach langer Zeit wird auch über die seit Jahrzehnten anhaltenden Kämpfe zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen um den Rostoffreichtum des Kongo wieder einmal, wenn auch knapp, berichtet, dass in einer Kirche in der Provinz Süd-Kivu mehr als 30 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, massakriert worden sind. Angeblich handelt es sich um den Racheakt eines Stammes an einem anderen wegen Viehdiebstahls. Übrigens sind im Ost-Kongo seit Jahren Blauhelmsoldaten in nenennswerter Anzahl mit robustem Mandat im Einsatz. Dies verhindert genausowenig wie in Zentraafrika das weitere Morden. Man sollte sich fragen, warum?

Mittwoch, 11. Juni

An diesem frühen Morgen, nach Sichtung der Nachrichtenlage der letzten beiden Tage, ist bezüglich des Bürgerkriegs vor unserer Haustür zu vermelden, dass sich beim Außenministertreffen zwischen dem deutschen Steinmeier, dem Polen Sikorski und dem russischen Außenminister Lawrow in Petersburg, dem ersten persönlichen Gespräch dieser Herren seit „Ausbruch“ der ukrainischen Krise, nur ergeben hat, dass man weiter unterschiedlicher Meinung sei, weiter miteinander reden will und es begrüßt, daß der ukrainische Präsident eine Waffenruhe und die Einrichtung von Fluchtkorridoren für die Zivilbevölkerung plant. Na prima! Da es Dank einer geschickten Strategie und Taktik der von CIA, BND usw. „beratenen“ Kiewer Regierung nicht zum allg. „levée en masse“ in der Ostukraine gekommen ist, sollen die heterogen aufständischen Bewaffneten weiter von ihrer Basis isoliert und zur späteren Vernichtung freigeben werden. Der Kleinkrieg geht anscheinend ebenso weiter wie die Verhandlungen in Berlin über die Bezahlung der russischen Gasrechnung durch Kiew. Business as usual.
Dass wir mitten in einem Großen Krieg befinden, welcher noch nicht Allgemeingut im Bewußtsein unserer ZeitgenossInnen ist, trotz seiner vielfachen Benennung seit 9/11, zeigen die aktuellen Meldungen von den „alten“ Fronten Afghanistan und Irak. An ersterer bomben die Taliban den Präsidentschaftskandidat Abdullah fast in die Luft, sterben sechs Natosoldaten an einem Tag, davon fünf durch eigenen Luftwaffenbeschuss, werden zwei Dutzend schiitische Pilger an der iranischen Grenze massakriert und was neu und für die Kommentatoren besonders bemerkenswert ist, greifen seit zwei Tagen masiv pakistanische Taliban den internationalen Flughafen der Metropole Karatschi an. Der partielle Abzug der ISAAF/Enduring freedom-Truppen aus Afghanistan und die Übergabe der „Verantwortung“ an die Afghanen ähnelt der US-Politik von 1972 – 75 in Vietnam und wird wohl zum selben Ergebnis führen.
An letzter Front, dem Irak, wo die „Koalition der Willigen“ unter US-Führung bereits ihre Kampftruppen abgezogen hat, ist das Undenkbare, der Sieg der Gotteskrieger, schon eine Eskalations- und Barbarisierungsstufe weiter. Die schwarz beflaggten Dhihadisten von der bis jetzt vor allem aus dem benachbarten Syrien bekannten ISIS, dem „Islamischen Staat im Irak und Syrien“, für die selbst al-Quaida zu brav ist, erobern gerade die zweitgrößte Stadt Mossul. Die Zwei-Millionen-Metropole, sechzig Kilometer von der syrischen Grenze entfernt und wichtiges Erdölrevier, wurde von der fluchtartig sich absetzenden zerschlagenen irakischen Armee geräumt. Hunderttausende sind im absoluten Chaos auf der Flucht in die benachbarten Kurdengebiete und so werden die jahrzehntelangen bekämpften Peschmergas zum letzten Notanker der multiethnischen Bevölkerung Iraks. Als erstes erstürmten die ISIS-Kämpfer in Mossul übrigens das Gefängnis, wie vor Monaten bereits das berüchtigte Abu Graib in Bagdad, und befreiten mal so 1.400 Gefangene oder zum Tod bereite neue zusätzliche Kämpfer. Die Dschihadisten haben seit Jahresbeginn bereits Falludscha in der Nähe der Hauptstadt Bagdad „befreit“ und somit entsteht mit den ISIS-Gebiet in Ost-Syrien bereits im Kleinen das erstrebte große antischiitische Kalifat, der sunnitische Gottesstaat. Der andere Gottesstaat, der Iran, wird so zum neuen Verbündeten des „Westens“. Oder auch nicht. Zumindest nicht auf Dauer!
Auch am weiteren „Brennpunkt“ Nigeria setzt „Boko Haram“ seine Offensive fort ,aber schließen für heute will ich mit einer „unkriegerischen“ Meldung. Das Kriegsgeschwätz lässt „unsere“ Millionäre kalt und so steigerten sie ihr (verwaltetes) Geldvermögen global 2013 um schlappe 14,3% auf den unfassbaren irrealen Betrag von 152 Billionen $ (152.000.000.000.000). Deutsche Millionäre haben daran „nur“ einen Anteil von 7,2%, Spitzenregion ist weiter Nordamerika(+15,6%) vor Asien, wobei in der kommunistischen VR China das Geldvermögen der Reichen um unfassbare 49,2% in einem Jahr anstieg. Diese 152 Billionen teilen sich weltweit nun 16,3 Mio oder 1,1 Prozent aller Haushalte. Die Hausse an den Börsen trotz Deflationstendenzen findet hier so seine Ursache genauso wie die Enteignung der „kleinen“ Sparer. Die gigantische Umverteilung von „Unten“ nach „Oben“ setzt sich bekanntlich bis jetzt 2014 ungebremst fort. Der Tanz ums goldene Kalb führt aber nach der Bibel zur allgemeinen Bestrafung durch den einigen Gott. Na denn.

Donnerstag, 12. Juni

1203Die weltweite und seit 1946 (Griechenland) von den USA geleitete „demolition tour“ erfährt gerade im Irak einen neuen, traurigen Höhepunkt. Konnte dank der Partner in der Anti-Hitlerkoalition und dank starker nationaler Bewegungen in den Antikominternstaaten Deutschland, Italien und Japan 1945ff demokratische, auf der Höhe der Zeit sich befindende demokratische Strukturen, wenn auch in widersprüchlichen Prozessen, langfristig bis heute verankert werden, so zeichnet sich das Handeln der „Supermacht“ USA, genährt durch Omnipotenzträume, wahnwitzigem Antikommunismus und wirtschaftlicher Überlegenheit seitdem immer (!) durch extremes Versagen der eigenen Ziele aus. Erinnert sei nur an das Gemetzel in Korea 1950 -53, Indochina(Vietnam) 1954 – 1975, die Unterstützung abscheulicher Diktaturen z,.B. von Iran 1953ff, Indonesien 1965, Chile 1973, die Initiierung sog. Contras von Afghanistan 1980, Nicaragua 1980, Afrika (Angola, Mozambique) 1975ff und an die Kriege gegen Jugoslawien 1991 – 1999, Irak 1991ff und 2003, Afghanistan 2001ff.
An diesem Donnerstag lauten die Schlagzeilen „Der Sturm auf Bagdad“ durch die Geister, die man jahrzehntelang rief, stehe unmittelbar bevor. Der Scherbenhaufen der Militärstrategie der „Koalition der Willigen“ ist offensichtlich. Den Preis bezahlen Völker, deren Geschichte lange vor dem des „weißen Mannes“ begann. Obama, der erklärtermaßen auf Rückzug der USA aus den selbst gelegten Bränden dieser Welt orientiert, wird vom Noch-Regierungschef des Irak, Maliki, um miltärisches Eingreifen angefleht. Gleichzeitig (!) wird an einem neuen Brandherd, die Ukraine, gezündelt; mit ungewissen Ausgang.

Samstag, 14. Juni

Es scheint sich ein doppelter Kriegsherd – nun auch im Verständnis unserer Meinungsmacher – heraus zu bilden. Da ist einerseits die Ukraine, wo der Vormarsch der Regierungstruppen trotz allem nun verkündetem „body count“ und diverser Erfolge, z.B. die angebliche Sicherung der 1.900 langen Grenze zu Russland oder die „Eroberung“ der Hafenstadt Mariupol, von schweren Verlusten begleitet wird. So schiessen die nun „Landsturm“ genannten bewaffneten Aufständischen ein ukrainisches Militärflugzeug mit einer Rakete ab. Die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 befand sich im Anflug auf einen Flughafen der Stadt Lugansk, der Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks, in dem prorussische Paramilitärs eine „Volksrepublik“ ausgerufen haben. Einem Armeesprecher zufolge kamen vermutlich 49 Soldaten ums Leben. (siehe n-tv online vom 14. Juni) Aufregung herrscht über die Lieferung von Kampfpanzern und sonstigen militärischen Material durch Russland an die „Seperatisten“ bei Regierung und Nato. Auch spricht die Zunahne von Entführungen und Geiselnahmen, so sind drei Teams der OSZE verschwunden, für die zunehmende Barbarisierung der Auseinandersetzung.

Insgesamt hat der Ton in unseren Medien sich verändert. Stand eine zeitlang die friedensstiftende westliche Diplomatie im Vordergrund, so wird das Publikum anscheinend nun auf eine weitere Eskalationsstufe vorbereitet. Dies wird durch die breite Berichterstattung über den Vormarsch der sunnitischen Djihadisten im Irak flankiert, wobei Hohn und Spott über die gescheiterte „Mission“ der USA und die Spekulation über alle denkbaren strategischen Rollenspiele unverkennbar sind. Noch ist Bagdad nicht erobert und der neue Freund des Westens, der „teuflische“ Iran, wird schon dafür sorgen, dass es dazu nicht kommt. Obama dagegen vermittelt die späte Einsicht, dass man auf Lügen und nackte Gewalt aufbauend kein „nation building“ betreiben kann und er dies auch nicht mehr will. Langsam, dies wird nun auch den Meinungsbildnern im Westen klar, ist der Krieg um Syrien und nun dem Irak nur das Vorspiel des eigentlichen Ziels von ISIS, nämlich ein Kalifat unter Einschluß auch von Groß-Syrien (Jordanien, Palästina und Israel) zu errichten. Noch einmal: Meine These lautet, dass es letztendlich um Jerusalem in diesen Auseinandersetzungen zwischen „Ost“ und „West“ geht. Israel selbst ist sich dessen mehr als bewusst!

Dienstag, 17.Juni

1097Fangen wir den neuen Eintrag wieder mit Israel an. Die Entführung dreier Talmud-Schüler in der Westbank führt zu einer geharnischten Reaktion der Isaelis; hunderte von Hamas-Mitgliedern werden eingekerkert und eine große Militäroperation gestartet. Eine der für die Geiselnahme der Kinder Verdächtigen ist, oh Wunder, die ISIS oder ISIF was „ Islamischer Staat in Irak und der Levante“ bedeutet. Deren Vormarsch auf Bagdad und Kerbala geht anscheinend trotz Massenmobilisierung der Schiiten durch deren geistlichen Rat, wenn auch unter hefigsten Kämpfen, weiter in Richtung schiitisches Kernland. Dabei wird von einer Koalition der ISIF mit sunnitischen Kräften des alten Baath-Regimes berichtet, die entscheidenden Anteil am jüngsten Erfolg bei der Einnahme von Mossul hätte. Ein wichtiger Repräsentant des Hussein-Regimes, Issat Ibrahim al-Duri, 71, einst rechte Hand des Diktators und ist noch immer Chef dessen inzwischen verbotener Baath-Partei, wäre der Kopf der neuen Allianz. Berichtet wird auch, dass bei der Einnahme von Mossul nicht nur Waffen ohne Ende in die Hände der Angreifer fielen, sondern auch ein Staatsschatz in der Zentralbankfiliale in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar. Gegen die mit Massenexekutionen vorgehende Isil kämpfen nun auch die Kurden, allerdings auf eigene Rechnung, und die von Maliki erflehte Unterstützung aus dem Iran und der USA läßt noch auf sich Warten.
An der anderen „Zentralfront“, der Ukraine, spielt auch eine Zentralbankfiliale eine Rolle, denn die von Donezk wurde von den Aufständischen erobert mit dem Ziel, den Geldverkehr mit Kiew zu kappen. Ansonsten halten die begrenzten Kämpfe unvermindert weiter an, während die Hauptmeldung den Gasstreit zwischen derm Transitland Ukraine und dem Lieferland Russland betrifft. Partiell hat Moskau den Gashahn termingerecht am Montag der Ukraine zugedreht.
Andere Kriegsschauplätze tauchen in der überwiegenden Sensationspresse nur dann auf, wenn Blutiges geschieht: In Kenia werden bei einem bewaffneten Angriff nahe der Küste durch vorgeblich Unbekannte mindestens 48 Menschen getötet. Wahrscheinlich eine der vielen Attacken der aus Somalia stammenden al-Quiada nahestehenden Islamistenmiliz al-Shabaab. In Pakistan gehen die USA per Drohnenattacken und das eigene Militär nun verstärkt gegen das Homeland der Taliban als Antwort auf die Angriffe in Karachi vor und die „Ausrottung“ der Taliban-Hochburgen ist auf einmal das erklärte Ziel des pakistanischen Militärs. In Afghanistan hält der Druck der (afghanischen) Taliban und ihrer Verbündeten weiter an und bei Anschlägen vor und nach dem zweiten Wahlgang zur Präsidentschaft sterben hunderte Namenlose. Welche Wirkung Bürgerkriege auf die Zivilbevölkerung haben, zeigt anschaulich der Südsudan, wo die UN vor einer großen Hungerkatastrophe warnt.
Zum Schluss dieses Schnelldurchgangs durch die Realwelt soll unser Bundespräsident zu Wort kommen. Gauck fordert die Deutschen zu einer aktiveren Außenpolitik auf und bekundet ungeniert: „Manchmal muss man zur Waffe greifen“ (n-tv.de). Die deutsche „Zurückhaltung“ müsse aufgegeben werden beim Kampf „an der Seite der Unterdrückten,“ sagte Gauck dem Deutschlandradio Kultur.(lt. n-tv.de vom 14.06.2014). Es gilt mal wieder: Es gibt viel zu tun, packen wir es an! Die Gutmenschen aus unseren Landen können ja mal wieder wie 1900ff („Boxer“aufstand in China) die Welt beglücken. Übrigens: 1953 fand an diesem 17. Juni der große, wenn auch kurze Aufstand in der DDR statt, denn die Rote Armee als Besatzungsmacht schnell beendete. Der deutsche „Maidan“, Feiertag in Westdeutschland zur Zeit des Kalten Krieges, ist heute fast vergessen. Dafür haben wir ja nun mit dem 09. November doch noch eine richtige (Konter-) Revolution zustande gebracht!

Montag, 23. Juni

Die Kommentierung der Nachrichten über die Kriege, Krisen und allgemein die Gewalt in der Welt machen nur dann einen Sinn, wenn sich daraus ein Erkenntniswert ergibt, der schließlich zu einer bestimmten bewußten Handlung führt. Nehmen wir dies: Auf den von Israel besetzten Golanhöhen wird ein Junge in einem Armeefahrzeug durch eine aus Syrien abgefeuerte Rakete getötet, der erste Tote auf israelischer Seite seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien, und Israel bombadiert und beschießt als Vergeltung Ziele in Syrien. Oder dies: Der Vormarsch der ISIS/ISIL in Irak hält, trotz Mobilisierung der Schiiten, an. Oder: Der nun verkündete Friedensplan von Poroschenko für die Ukraine hat trotz verbaler Unterstützung aus Russlands noch nicht zu einer Beendigung der schwellenden begrenzten Kriegshandlungen geführt. Gemeinsame Erkentnis daraus ist für mich, dass die Verwerfungen im globalen System weiter zunehmen und die Widersprüche sich nicht lösen lassen. Warum daraus keine Handlung erfolgt, es sei denn der gemeinsame Ausflug der Brandenburger Freidenker vom Wochenende sei eine erwähnenswerte Tat, hängt von der Lage einer vorgeblichen Linken ab, die im „Paradies“ BRD nicht in der Lage ist, Widerstand zu artikulieren und zu organisieren. Aber vielleicht ist ein gemeinsames Bildungserlebnis, der Besuch einer mittelalterlichen Stadt, besser als die Isolation des Einzelnen vor dem Bildschirm.

Dienstag, 24. Juni

1129Überraschend und doch logisch haben am Montag Abend nun auch die „Seperatisten“ genannten Aufständischen in der Ostukraine nach der von ihnen erwünschten Vermittlung durch OSZE und Russland einem Waffenstillstand bis zum Freitag dieser Woche zugestimmt, um den Weg für Friedensverhandlungen frei zu machen. Ein Hoffnungsschimmer!

Mittwoch, 25. Juni

Der Waffenstillstand in der Ukraine ist Gelegenheit für die OSZE, eine Zwischenbilanz zu ziehen und genau 423 Tote bisher zu zählen. Dazu kommen mindestens, um auch exakt zu bleiben, neun Tote durch den Abschuss eines MI-8 Transporthubschraubers bei Slawjansk/Slowjansk trotz Waffenruhe durch die Aufständischen. Heute Morgen ist die Hauptmeldung des Tages der nach Aussage der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ außer Kontrolle geratene Ausbruch einer Ebola-Epidemie in Westafrika, genauer in Guinea, Liberia und Sierra Leone, mit bisher mehr als 350 Toten. Die betroffenen Länder waren – es ist nicht lange her – durch den brutalen Krieg um die „Blutdiamanten“ in den Schlagzeilen. Die Not der Bevölkerung führt dazu, dass sie trotz Warnung der Ärzte „uneinsichtig“ weiter Wildfleisch als vermuteten Träger des Virus verzehren. Die Natur fordert so, sagt der Fatalist, genauso seinen Tribut wie der vom Menschen verschuldete Krieg. Der belesene Marxist denkt dabei an das Wirken der unbarmherzigen Engelschen „Dialektik der Natur“. So oder so, es gäbe auch ohne die vom Menschen gemachten Katastrophen genug zu tun für eine „vernünftige“ Gesellschaft, Fukushima läßt Grüßen!

Montag, 30. Juni

Nach der Verlängerung der Waffenruhe durch den Ukrainischen Präsidenten Poroshenko bis heute, 21.00 Uhr gingen alle diplomatischen Bemühungen dahin, trotz der begrenzten anhaltenden Scharmüntzel zu einem Waffenstillstand zu kommen. Russland wurde dafür haftbar gemacht, ansonsten setze es weitere Sanktionen durch den Westen. Dass die Lage nicht auf Frieden ausgerichtet ist, zeigt eine Demonstration der Ultrarechten in Kiew, die von Poroshenko die Ausrufung des „Kriegsrechts“ fordern ebenso wie der Mord vor laufender Kamera an einen russischen Journalisten zum Wochenende. Und nun hat Poroshenko die Waffenruhe nicht verlängert; man wird sehen, was dies nach sich zieht.

An der anderen Front im Nahen/Mittleren Osten bereiten sich alle Parteien auf den großen Schlagabtausch mit der ISIL vor, der Irak rüstet auf, US-Elitesoldaten kommen zum Schutz der Ausländer zu Hunderten ins Land und ISIL ruft die Schaffung des ersehnten Kalifats aus und nennt sich nun nurmehr „Islamischer Staat“(IS). Von der Aufteilung des Iraks in drei Zonen (Kurden, Sunniten, Schiiten) wird immer öfter gesprochen und in der Tat schaffen die Kurden mit der Annexion des erdölreichen Gebiets um Kirkuk unumstößlichen Fakten. Auch hier gilt, man wird sehen, was da kommt.

Die Ermordung der drei entführten israelischen Jugendlichen in der Westbank wird nun auch an diesem Montag Abend vermeldet und die dafür von Netanjahu verantwortlich gemachte Hamas mit der Eliminierung bedroht. Ein groß angelegte militärische Operation, auch gegen den Gaza-Streifen, ist im Gange. Hunderte Hamas-Mitglieder sind bereits verhaftet und ihnen wie allen Palästinensern droht Schlimmes. Man wird sehen …

Sonntag, 06. Juli

DSCF2641Die Häufigkeit von Meldungen über die beschönigend Krisen und Konflikte genannten Kriegszustände in tendenziell immer mehr Ländern – seit der Zeitenwende 89/91 nehmen gesellschaftliche Katastrophen selbst nach seriöser Schätzung besonders im 21.Jahrhundert ganz aktuell zu – haben sich nocht nicht zu einem allgemein definierten Beginn eines regionalen oder globalen Kriegszustandes verdichtet.

Beispiele: In der Ukraine strebt der Stellvertreterkrieg zwischen prowestlichem Zentrum und aufständischer prorussischer Peripherie nach der Vertreibung der Rebellen unter schweren Kämpfen aus ihrer Hochburg Slawjansk und ihrer Flucht in die Millionenstadt Donezk seinem blutigen Höhepunkt zu. Von Waffenruhe ist nicht mehr die Rede und die Aufständischen fühlen sich von Moskau und Putin in Stich gelassen. Im Irak gibt es zwar eine Massenmoblisierung der Schiiten, werden Truppen an den Außengrenzen zusammengezogen und eine Regionalisierung des Krieges bei gleichzeitiger Aufteilung des Irak unter den ethnischen Volksgruppen vermeldet, aber es findet bis jetzt „nur“ eine Sammlung der Kräfte statt und der große internationale Kampf unter Einschluss der USA mit der sich jetzt „IS“ nennden Kalifentruppe steht noch bevor. In Afghanistan und Pakistan, gekennzeichnet weiter durch unzählige, oft sehr effektive und spektakuläre Anschläge der Taliban und der al-Quaida, ist die allgemeine Barbarei wie im Irak zwar Normalzustand, die weitere Rolle der USA und der ISAAF aber ungeklärt, genauso wie die „demokratische“ Machtübergabe an den Nachfolger von Karsai. Palästina steht nach den gegenseitigen Morden an Jugendlichen vor einer neuen Intifada und ein Krieg von Gaza im Westen bis zu den Golanhöhen und Libanon im Norden und der Westbank im Osten zwischen Israel und den „Arabern“ ist bereits latent ausgebildet. Eine Verbindung mit den Kriegen im Irak und Syrien wird denkbar. Im Jemen, ein vergessenes Land, kommt es zu sehr opferreichen Kämpfen zwischen diversen Aufständischen unter Einschluss der al-Quaida und der durch US-Drohnen unterstützten Zentralmacht. In Afrika unternimmt der lokale Zweig von al-Quaida in Somalia immer häufiger Überfälle im benachbarten Kenia. Von Mali über die Zentralafrikanische Repubklik, dem Tschad bis hin nach Nigeria regiert der Terror und die internationalen „Missionen“ der USA und der europäischen Ex-Kolonialmächten halten die Situation in einer gewissen Schwebe.

Provisorische Konklusion: Mehrere Ebenen des allgemeinen Kriegszustand stehen einerseits isoliert nebeneinander und verdichten sich doch andererseits. Der Kampf um Einflusssphären zu deren Ausplünderung, die „Inwertsetzung“ von bestimmten Regionen durch das Kapital, der Aufstand der Djihadisten gegen das westliche „Lebensmodell“, die Neuauflage des Ost-West-Systemgegensatzes anhand des Ringens um die Ukraine/Krim und noch im Fötuszustand der Konflikt der VR China mit seinen ostasiatischen Nachbarstaaten sind auszumachen. Auf all diesen Ebenen ist unser Deutschland sehr aktiv und will sich als neue, alte Weltmacht etablieren. Während der Stern der USA anscheinend sinkt, steigt der von Deuschland, Russland und China. Zumindest scheint dies so. Ach, nicht zu vergessen und nur zugern verschwiegen: die Volks- und Klassenkämpfe „all around the world“!

Sonntag, 13. Juli

Seit Dienstag dieser Woche bombadiert Israel in zahllosen Angriffen den Gazastreifen, nachdem als Reaktion auf das Vorgehen Israels in der Westbank – wobei hunderte angebliche Mitglieder der Hamas festgesetzt wurden, nachdem drei jüdische Siedlerkinder tot aufgefunden und niemand sich zu der Tat bekannte und als Rache ein palästinensischer Junge bei lebendigen Leib durch rechtsextreme Israelis verbrannt wurde – zig Raketen auf das israelische Kernland vom durch die Hamas kontrollierten Gazastreifen abgefeuert werden, ohne nennswerten Schaden anzurichten. In diesem assymetrischen Krieg eines Goliaths gegen David sterben von Tag zu Tag mehr Palästinenser, vor allem Unbeteiligte. Die Kriegszone im Nahen und Mittleren Osten weitet sich aus.
Im Irak herrscht weiter eine Pattsituation zwischer den nun IS sich nennenden sunnitischen Aufständischen und einer nicht mehr faktisch existenden Zentralregierung. Gewinner der entstandenen neuen Lage sind offensichtlich die Kurden, die ihr bisheriges gebilligtes Autonomiegebiet durch die Erdölfelder um Kirkut konsolidieren.
In der Ukraine weiten sich, kaum beweint durch die Weltgemeinschaft, die Kämpfe um Donezk und Lugansk aus und Dutzende Soldaten beider Seiten und viele Zivilisten lassen diese Woche ihr Leben. Die Aufständischen denken bis jetzt nicht daran, aufzugeben und auch die russische Seite, nach Monaten einer „verantwortungsvollen“ passiven Politik, verschärft den Ton gegenüber Kiew und lässt wieder Truppen an der Grenze zur Ukraine aufmarschieren. Präsident Putin ist auf Lateinamerikafreundschaftstour und macht zum x-ten Male deutlich, dass Russland wieder gedenkt, als Supermacht zu agieren.
Wichtig in dieser Woche war für den durchschnittlichen Deutschen, Kriege hin oder her, die die Medien beherrschende Fuballweltmeisterschaft, welche am Sonntag mit dem Gewinn der vierten Meisterschaft glücklich endete. Die nationale Begeisterung kennt kaum noch Grenzen, da „Wir“ jetzt alle Weltmeister sind. Nicht nur mein Export, sondern auch auf dem Rasen. Und dies zu recht und ehrlich verdient! Beschränke sich der Kampf der Nationen um Weltgeltung doch auf das Spiel mit dem runden Leder!

Donnerstag, 17. Juli

1151Ein „großer“ Krieg um Palästina nimmt immer mehr Fahrt auf. Trotz zwischenzeitlicher Waffenruhe geht das unbarmherzige Bombardement des Gaza-Streifens nicht nur weiter, hunderttausende sind auf der Flucht vor der israelischen Feuerwalze, Dienstags begann auch der Bodenkrieg der zigtausend Mobilisierten israelischen Soldaten. Umgekehrt ist die Hamas noch nicht vernichtet und greift durch Raketen und (mißglückt) durch Infiltration das jüdische Kernland an. Da auch im Norden und Osten nur gepanzerter Frieden herrscht, steht die Welt vor einem (dem wievielten eigentlich?) neuen Nahost-Krieg. Der in Syrien bekanntlich schon seit drei Jahren in einer Dimension tobt, die das Vorstellungsvermögen sprengt.
Die Meldung des Tages ist aber der Abschuss einer malaysischen Zivilmaschine mit 298 Urlaubern an Bord über der Ostukraine. In den letzten Tagen haben die Aufständischen trotz der scheinbaren Überlegenheit der Regierungstruppen ihre Position behauptet und trotz hoher ziviler und militärischer Verluste der bunt zusammengesetzen Staatsmacht schwer Verluste beigebracht, unter anderem die Erbeutung einer Raketen-Flak-Einheit und den Abschuss mehreren Kampfflugzege. Damit ist es für den Westen klar, man hat ja bereits vor dem neusten Vorfall die Sanktionen gegen Russland ausgeweitet, dass für den Anschlag auf die zivile Luftfahrt nur die Russen oder die Aufständischen in Frage kommen. Und immer noch gehört die Krim zu Russland!

Eine Meldung von heute sei noch nur am Rande erwähnt. Im Vorzeigeland des „arabischen Frühlings“, in Tunesien, Hort der Demokratie und der Stabilität, findet der schwerste Angriff auf die Streitkräfte seit Staatsgründung mit 14 Toten durch Islamisten, die es doch hier nicht geben sollte, statt.
Ich fürchte, ich muss meinen Veröffentlichungsritus der Kriegsnotizen früher als wie geplant in einer Woche aufnehmen!

Dienstag, 22. Juli

Heute vor vierzehn Tagen begann der uneingeschränkte Bodenkrieg der militärischen Supermacht Israel gegen den Gazastreifen und der ihn beherrschenden Hamas. Zwei Millionen Menschen, zusammengepfercht auf 360 qkm, werden einem unablässigen Beschuss ausgesetzt. Von Tag zu Tag steigt die Anzahl der Toten, davon ausgewiesene 70 – 80 Prozent Zivilisten. Aber es sterben auch zunehmend Israelis, fast alles Soldaten, da die von der Hamas bis Montag abgefeuerten 2000 Raketen sich weitgehend als wirkunglos erweisen, dank der hightec Raketenabwehr („iron dome“). Der ausgeübte psychische Terror gegen die israelische Zivilbevölkerung ist dabei das eigentliche Ziel. Israel will ein für alle Mal die Hamas als Störfaktor und potenzielle Bedrohung ausschalten und sei es um den Preis von offensichtlichen Kriegsverbrechen.
Ebenfalls um ein Kriegsverbrechen geht es bei dem Absturz resp. Abschuss des Zivilflugzeuges über dem Aufstandsgebiet in der Ukraine, wobei die Trauer und das Entsetzen der Hinterbliebenen zu einer globalen Kampagne gegen „Putin“ und Russland genutzt wird, die an die Tage von Kuwait 1991 oder Irak Winter 2003 erinnern. Die letzte Meldung von heute lautet, dass der ukrainische Präsident Poroshenko sich die Teilmobilisierung vom Parlament, der „Rada“, genehmigen lassen will. Nicht umsonst will Kiew nach eigenen Worten mit einer Militärparade in Sewastopol auf der Krim siegreich bestehen. So denn der „Westen“ brav hilft, um den von Hardlinern vorangetriebenen Konfrontationskurs gegen das verdächtige Russland – schwankend zwischen Faschismus und Stalinismus, gar die Sowjetunion wieder auferstehen lassend – seinen Sinn zu geben. Wer die Ukraine beherrscht, beherrscht auch Russland, ungefähr so oder so geht die Denke.
Auf vielfältige Weise rückt der Krieg immer näher an die in Wohlstand und Zivilisation lebenden Menschen, Völker, Staaten. Mensch wird zum Opfer wie die Holländer in der malayischen Maschine, es stirbt die deutsche Familie im Gazastreifen, im Mittelmeer sterben bei dem Versuch, die Festung Europa zu überwinden, viele und noch mehr erkämpfen sich ihren Zugang zu unseren Sozialleistungen. Selbst gegen Kinder, die zu Zehntausenden über die Südgrenze der USA strömen, wird die Nationalgarde mobilisiert und so weiter … Auch wir leben nur begrenzt auf einer Insel der Glückseeligen, trotz Weltgeltung und Gewinn der Fußballweltmeisterschaft.

Sonntag, 27. Juli

Heute früh hält in Potsdam das seit Tagen hochsommerliche Wetter an. 1144Die Welt ist friedlich und es macht Spass zu leben. In Israel nutzten die Menschen bei herrlichem Wetter am Samstag die 24-stündige Waffenruhe im Gaza-Krieg zu vermehrten Ausflügen und Strandbesuchen. Im Gaza-Streifen versorgten sich in der Steinwüste die Menschen mit dem Nötigsten und bergen in den zerstörten Straßenzügen weit über hundert Leichen aus den Ruinen. Das weltweite Entsetzen drückt sich auch im täglichen body count aus. Mit Stand vom Samstag Abend zählt mensch auf palästinensischer Seite über tausend, auf israelischer über vierzig Opfer. Der ungleiche Krieg Goliaths gegen David lautet 1:25, was nach dem Maßstab von Kolonialkriegen hoch ist und für die Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Hamas spricht.
In der Ukraine halten die schweren Kämpfe vor allem um die Millionenstadt Donezk an, wobei die Stadt sich von Zivilisten leert. Hundertausende Binnenflüchtlinge und nach Russland vertriebene erregen bis jetzt nicht den Zorn und das Mitleid der Weltöffentlichkeit. Diese Emotionen konzentrieren sich weiter auf die westlichen Toten des Flugs MH17.
Kurz noch zu einigen weiteren erschütternden Meldungen der letzten Tage: Im Südsudan droht weiter, trotz monatelanger Warnungen der UN, die schlimmste derzeitige Hungersnot. Ausgelöst durch die ethnischen Kämpfe um die potenziellen Ölquellen hungern über vier Millionen und ernähren sich von „von Wurzeln und Pflanzenzwiebeln“(lt. UN). Der UN-Sicherheitsrat fordert die Weltgemeinschaft nun dringend auf, endlich zu helfen. Es fehlt eine Milliarde Dollar. Im vom Gaddafi befreiten Libyen nehmen die Kämpfe solche Ausmaße an, dass u.a. die USA ihre Mission schließen und fluchtartig das Land verlassen. In Nigeria sterben bei den zur täglichen Routine werdenden Anschlägen Dutzende Menschen und gleichzeitig vermeldet die WHO den ersten Ebola-Toten in der größten Stadt des westafrikanischen Landes. Die Seuche breitet sich trotz der Warnungen und der Hilferufe der WHO in Westafrika weiter unkontrolliert aus. An der Flüchtlingsfront im Mittelmeer werden am Mittwoch auf einem Boot an die hundertfünfzig Menschen ermordet und über Bord geworfen, um das Sinken des überladenen Schiffes zu verhindern. Die EU stellt mehr Mittel im Kampf um die Sicherung der EU-Außengrenzen Frontex zur Verfügung.

Wie sagte doch der große alte deutsch-jüdische Maler Max Liebermann 1933 angesichts der aufmarschierenden SA-Aufzüge durch das Brandenburger Tor zu Berlin so treffend: „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“(de.wikipedia.org)

Sonntag, 03. August

Seit Freitag sind Wirtschaftssanktionen des Westens des sog. dritten degrees gegen Russland in Kraft und allgemein herrscht eine Mischung aus Bestürzung und Befriedigung; es wird langsam ernst im Wirtschaftskrieg, denn der „Paria“ Putin bleibt cool und erklärt seinerseits im Stundentakt einzelne spezifische Sanktionsmaßnahmen gegen westliche Staaten. An den wichtigsten Weltbörsen überwiegt nun das Entsetzen über den sich auftuenden Abgrund und sie gehen von einem extrem hohen Stand in einen freien Fall über.
Während immer mehr selbst erklärte „Sicherheitsexperten“ unisono über die entstandene Situation lamentieren, überschreibt ein kluger deutscher Publizist, Jakob Augstein, seine Kolumne im „Spiegel“ mit „Die Sanktionen der Schlafwandler“, einen Begriff aus der Rezeption des Ersten Weltkriegs aufgreifend, um das Hier und Jetzt des neuen, bis jetzt „Kalten Krieges“ zu charakterisieren. Zwar mögen diverse Kriegsherde in dieser, unseren Welt, herausgehoben der im Nahen und Mittleren Osten, sich zu einem Flächenbrand verbinden, meine Ausgangsthese bleibt bestehen, dass die neue Stufe der Ekalation im dritten (oder vierten) Weltkrieg die Ukraine im Mittelpunkt hat.
In der Ukraine, hier gegen die Großstädte Lugansk und Donezk, und im Gaza-Streifen geht der Kampf überlegener Militärkräfte gegen die Aufständischen und die in „Geiselhaft“ genommene Zivilbevölkerung sich kontinuierlich steigernd fort. Israel bombadiert Moscheen, das einzige Kraftwerk und UN- Refugee-Resorts, kräftigt gesponsert durch die USA, und in Kiew bleibt der charismatische Jazenjuk im Amt und die Ukraine führt eine Kriegssteuer ein. Blutiges business as usual.
Zum Schluss der mich ermüdenden Protokollierung des „Wahnsinns“ einige, eher zufällige Kurzmeldungen: In Nigeria setzt die Boko Haram Kinder und Frauen für die täglichen Selbstmordanschläge ein und expandiert in den Grenzregionen Kameruns; im Westen Chinas kommen diese Woche bei blutigen Auseinandersetzungen in der Provinz Xinjiang mit den Uiguren Dutzende Menschen ums Leben; und ein vergessener Krieg, der in den 90er Jahren 30.000 Tote forderte, meldet sich zurück – um Berg Karabach im Kaukasus finden zunehmende Grenzscharmützel zwischen Aserbaidschan und Armenien statt.

Sonntag, 10. August

1171Früher Morgen … Laut „offizieller“ Zählung gibt es 2014 sechsundvierzig gleichzeitig beschönigend und verharmlosend als Konflikte bezeichnete kriegerische Auseinandersetzungen auf dieser, unserer Welt. Soviele wie angeblich noch nie zuvor. Rechnet mensch die Drogenkriege in Lateinamerika hinzu, denen z.B. in Mexiko Zehntausende zum Opfer fallen und die verantwortlich sind für die Fluchtbewegung von zehntausenden Kindern allein in diesem Jahr in die USA, dürften es noch etliche mehr sein. Im Bewußtsein der Öffentlichkeit der Bundesrepublik ist dies jedoch noch nicht oder nur marginal „angekommen“, wenn auch eine unbestimmte Kriegsangst nicht erst seit heute spürbar ist. Auf „unserer“ Insel der Glückseeligen herrscht unbeschwerte Ferien- und Sommerzeit.
Dabei sind die Nachrichten in dieser Woche wieder beherrscht von Meldungen aus dem Ausland, synonym für Meldungen über bestimmte Krisenschwerpunkte. Drei wären zu nennen: Der Kampf um a) den Gazastreifen zwischen Israel und der Hamas; b) der Fortgang des Desasters im Irak und nicht zuletzt c) der Kampf um die Ostukraine.

a) Drei Tage herrschte eine Waffenruhe, geschuldet dem allgemeinen Entsetzen über die ausweglose Lage im größten „Freiluftgefängnis“ der Welt. Die IDF zog zudem nach angeblicher Erreichung der selbst gesteckten Ziele ihre Bodentruppen aus Gaza zurück. Ein Ausweg ist nicht in Sicht und so beschießt die Hamas Israel weiter mit relativ harmlosen Raketen und Israel bombt als „Reaktion“ gezielt zivile Objekte. Der andere den Gazastreifen blockierende Nachbar, das anti-islamische Ägypten der Militärs, sieht sich wie Israel von allen Seiten bedroht.
b) Im Irak, Teilaufmarschgebiet der sich nun IS nennenden Djiadisten, kommt es zur Massenflucht von Hunderttausenden Christen und Jesiden/Yesiden vor dem Terror ins Gebirge und in die Kurdengebiete, die den Verfolgten Zuflucht gewähren und gegen die IS die „Peschmergas“ mobilisieren. Angesichts des deklarierten Völkermords im Nordirak ändern die USA ihre Strategie, die bisher darin bestand, Irak dem selbstverschuldeten Chaos zu überlassen, und greifen mit gezielten Schlägen von Kampfflugzeugen und Drohnen begrenzt Stellungen der IS an. Wieder hat der Krieg eine neue Dimension der Intensität und Internationalisierung angenommen. Von Lybien im Westen bis Pakistan im Osten – eigentlich bis hin zu den Philippinen, wo die Abu Sayyaf wieder verstärkt Anschläge verüben – bildet sich immer stärker eine nach der Logik der Djiadisten bestimmte riesige Kriegszone aus. In Afghanistan wird so, kaum kommentiert, an einem „schwarzen Tag“ ein US-General gemeuchelt und ein deutscher Kollege schwer verletzt.
c) In der Ostukraine setzt Poroshenko seinen Antiterror-Feldzug mit sich steigernder Wucht und Opferzahlen fort, und der Westen warnt vor einem militärischen Eingreifen Russlands. Wer zuletzt Gewinner und Verlierer sein wird, steht beileibe nicht fest, zumindest ist erwähnenswert, dass an den Weltbörsen schon einige hundert Milliarden in den letzten zwei Wochen verbrannt wurden. In der Realwelt der Ukraine sind nun auch Hundertausende auf der Flucht. Wann bombt Russland hier wie die USA im Irak?

Schließen möchte ich die Nachbetrachtung mit zwei Nebenthemen aus Afrika. Am Horn von Afrika stehen acht Länder laut erneuter Warnung der UN vor einer Hungerkatastrophe und in Westafrika breitet sich die Ebola-Epedimie so stark aus, dass die WHO den betroffenen Länder Zwangsmaßnahmen verordnet. Alle von den „Naturkatastrophen“ heimgesuchten Länder waren kürzlich oder sind gegenwärtig vom Krieg betroffen. Kein Zufall!

Sonntag, 17. August

Aufregung um die Ukraine. Die letzten beiden Hochburgen der Seperatisten, die Großstädte Lugansk und Donezk, dessen Erstürmung bereits Montag als unmittelbar bevorstehend angekündigt wurde, sind weiter heiß umkämpft und zu den immer größer werdenden zivilen und militärischen Verlustzahlen tritt ein Propagandakrieg der feinsten Art. Ein riesiger Hilfskonvoi Russlands für die verbleibende notleidende Bevölkerung in Lugansk wird zum Beginn einer rusischen Invasion umphantasiert und kann tagelang nicht die ukrainische Grenze passieren und Tatarenmeldungen über angeblich offen ausgebrochene Kämpfe zwischen der Ukraine und Russland führten am Freitag nachmittag zu einem kurzfristigen erneuten Kurssturz an den Börsen. Auch ein von deutscher und französischer Seite anberaumtes Außenministertreffen in Berlin am Sonntag führt erwartungsgemäß zu keinem Fortschritt, da die ukrainische Seite unbeirrt auf Konfrontation setzt und Russland als Kriegstreiber mit allen Mitteln brandmarken will, um „Hilfe“ vom Westen für den Endsieg der „Vernichtung“ der „Terroristen“ in der Ostukraine und zur Wiedergewinnung der Krim zu erlangen. Die „territoriale Integrität“ der souveränen Ukraine ist ein so hohes Gut, das jegliche Propaganda und jedwede Tat und jedes Opfer rechtfertigt.

Lichtblick um Gaza. Die Waffen ruhen die ganze Woche und es reifen die Überlegungen zu einer „Internationalisierung“ und Demilitarisierung des Gazastreifens unter UN-Kontrolle. Beide Seiten, Israel wie die Hamas, haben gelernt, dass militärisch nichts gewonnen werden kann und der „Imageverlust“ bei Fortgang der wechselseitigen Beschiessung zu groß wäre. Zumindest ist dies der aktuelle Stand. Aber immerhin, hier schweigen die Waffen!

Beherrschendes Thema im Irak ist die gewaltsame Vertreibung von Minderheiten durch die IS und deren Flucht in kurdische Gebiete. Die Empörung über die humanitäre Katastrophe im Nordirak führt zu einem Reengagement des Westens, auch militärisch, und zu einer enormen Aufwertung der kurdischen Ambitionen für einen eigenen Staat. Kurzfristig wird der Vormarsch der IS gestoppt, mittel- und langfristig nach meiner Meinung eine neue Konfliktlinie Kurdistan vs. Türkei, Syrien und Stammland Irak eröffnet. So sehr es mich freut, dass die Kurden ihre Position ausbauen können und z.B. das Verbot der PKK in Europa nun in Frage gestellt wird, so skeptisch bin ich hinsichtlich der Perspektive für ein souveränes Kurdistans. Weder ist die IS geschlagen noch ist absehbar, dass die Anrainerstaaten eines freien Kurdistans dessen Entstehung hinnehmen könnten.

Innenpolitisch wachsen die Sorgen, dass die vielen ungelösten Konfrontationen von Ethnien, religiösem Hass oder nationalen Erweckungsbestrebungen zunehmend auch bei uns in den Flüchtlingslagern, auf der Straße und in den Wohngebieten ausgetragen werden. Je mehr wir „Verantwortung“ tragen und weltweit (militärisch) intervenieren, desto größer werden die Flüchtlingsströme nach Europa anwachsen und desto wahrscheinicher wird es, dass in Deutschland die Gewalt und Menschenverachtung, auch in Form vom Fremdenhass zunimmt. Das „Bedrohungsszenarium“, vom Kalten heißen Krieg um die Ukraine bis hin zur Zementierung der „Festung“ Europa, wächst von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Noch sehe ich „kein Licht am Ende des Tunnels“ und der Zug Geschichte rast weiter Richtung Abgrund.

Dies könnte ein Schlußwort meiner räsonierenden Betrachtungen zum „Krieg“ einleiten, so wie ich ich 2003 und 2005 die Kommentierung des kriegerischen Geschehens (immer vorläufig) einstellte. Aber noch, liebe Leserin und lieber Leser, sehe ich die Zeit zur Verfassung des „Abgesangs“ nicht gekommen, noch überwiegt bei mir die Wut über die Verhältnisse meinen Hang zur Resignation.
Z.B. wegen diesem: Diese Woche wurde sehr knapp vermeldet, dass in Nigeria die Boko Haram wieder einmal ein Dorf mordend überfalen hat und hundert Kinder und Frauen verschleppt tat. Und breit vermeldet wurde die weiter ungebremste Ausweitung der Ebola-Seuche in Westafrika. Wenn es nur um die „Schwarzröcke“ (wie Karl Marx vor 150 Jahren schrieb) und deren Tod und Versklavung geht, so ist deren unendliches Leid zwar Gegenstand von Bittgottesdiensten in der „weißen“ Welt, aber Hungersnot, Versklavung bis hin zum Massenmord haben für uns dort einen anderen Stellenwert als solche Vorgänge im Orient oder Okzident. Noch zählt ein Mennschenleben nicht gleich, noch gilt nicht: „no matter, if you are black or white“ (Michael Jackson).

Sonntag, 24. August

What’s new? Lohnt es sich, über den täglich erneuerten anhaltenden Wahnsinn im Kern immer das Gleiche zu berichten? Der Krieg um und in Gaza hat wieder begonnen; im Irak hält das labile Gleichgewicht dank der Luftschläge – bisher genau gezählt deren 94 seit dem 08.08. – der USA an; in Syrien vermeldet die UN zu den Millionen Flüchtlingen, deren Zahl auch im Nordirak die Millionengrenze überschritten hat, seit dem Ausbruch des glorreichen „Arabischen Frühlings“2011, dem abgeblichen Ende der Despoten, den Anstieg der „Opfer“ auf über 190.000; in Ostukraine behaupten sich in schweren Kämpfen unter Einsatz schwerer Waffen die seperatistischen „Terroristen“ und Putin schaffte es tatsächlich, seinen Hilfskonvoi ungestört in einer kurzen Aktion nach Luhansk und zurück zu bringen.
So what?
Wesentlich in dieser Woche war die Enthauptung einer US-Geisel vor laufender Kamera und die darauf erfolgte Benennung, verkauft als neue Erkenntnis, der IS/ISIF als größte Bedrohung unserer Zivilisation. Bei uns war die beabsichtigte Belieferung der kurdischen Peschmerga mit deutschen Waffen, angeblich unter Bruch des Tabus der Regierung, keine Waffen in Krisengebiete und schon gar nicht an nichtstaatliche Kombattanten zu liefern, um die IS/ISIF wirksamer zu bekämpfen, innenpolitisches Thema der Woche.
Der allgemeine Irrsinn hat eine seit den Jugoslawienkriegen bekannte Methode: Zurichtung des Publikums, damit diese die „ultimo ratio“ der zu führenden Kriege mit deutscher aktiver Beteiligung verinnerlicht. Zumindest damit dieses nicht störend zu laut protestiert. Insofern gibt’s nichts Neues zu vermelden!

Sonntag, 31. August

1174Zuerst zum Erfreulichen. Nach fast ununterbrochenem 50tägigigen gegenseitigen Beschuss mit unterschiedlicher Auswirkung hält nun eine unbegrenzte Waffenruhe in Gaza und die Menschen dort und in Israel können kurz aufatmen. Aber nichts ist entschieden, Israel drohen neue Auseinandersetzungen im Norden um die Golanhöhen, an die Djiadisten aus Syrien heranrücken und arme, dort seit den 70er Jahren stationierte Blauhelm-Soldaten bedrohen. Im Irak formiert sich mit militärischer Luftunterstützung durch Westmächte eine breite Koalition gegen die IS/ISIL und so ist deren Vordringen zumindest erstmals gestoppt. Die Verbrechen der Djiadisten und die Angst vor dieser „neuen“ Bedrohung des Westens werden nun breit in unseren Medien dargestellt, wohingegen andere Kriegszonen (Afrika, Lybien, Afghanistan) jetzt unter ferner liefen abgehandelt werden. Denn:
Im Fokus der vergangenen Woche steht der zunehmend erbarmungslos geführte, nun auch zunehmend als Krieg definierte „Konflikt“ um die separatistischen Befreiungsbestrebungen in der Südost-Ukraine von der nun offen von Putin als faschistisch denunzierten Kiewer Zentralregierung. Für Russland sind die mit schweren Waffen hochgerüsteten Kämpfer für das „Neue Russland“ Helden, für Kiew und dem Mainstream im Westen bezahlte Agenten eines gefährlichen neuen, alten russischen Imperialismus. Die neue Qualität des Ukraine-Konflikts liegt in der nun als „russische Invasion“ gegeißelten neu eröffneten Front an der Schwarzmeerküste und im offensichtlichen Scheitern der Niederschlagung des Aufstandes. Im Gegenteil, Auflösungserscheinungen der durch viele „Freiwilligenverbände“ gepuschten ukrainischen Armee sind auszumachen und die durch russische „Freiwilige“ incl. schwerer Waffen unterstützten Aufständischen sind auf dem Vormarsch. Die sog. Putin-Versteher im Westen stehen zunehmend auf verlorenen Posten. Der EU-Gipfel vom Samstag gibt nun Putin noch eine Frist von einer Woche, ansonsten werden die EU und die Nato ihre Sanktionen gegen Russland drastisch erweitern. Die Spirale von Aktion und Reaktion geht immer weiter hin zu einer nicht mehr beherrschbaren Lage … … …

Sonntag, 07. September

In dieser Woche jährt sich der „nine/eleven“-day und damit der Beginn des zumindest von den USA geführten „Krieges gegen den Terror“. Eine neue Etappe in diesem Weltenbrand wurde auf dem Nato-Gipfel in der vergangenen Woche durch Obama ausgerufen: Zehn der wichtigsten westlichen Länder unter Einschluss unseres Landes bilden eine neue „Allianz gegen den Terror“. Hauptfeind in neuer geopolitischer Konstruktion ist nun der „Islamische Staat“, gegen den es mit allen erdenklichen politischen, geheimdienstlichen und begrenzten militärischen Mitteln nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien vorzugehen gilt. Auch der bisher allseits verhaßte Iran zählt nun zu den „Freunden“, wie auch die um Saudi-Arabien gescharten sunnitischen Staaten der Arabischen Union, welche gleichfalls ihrer Unterstützung für den IS abschwören und diesen verdammen. Ob auch der „Schlächter“ aus Damaskus ins Boot geholt wird, ist noch offen. Der bisherige Widerpart im „Krieg gegen den Terror“, al-Qaida, fügt derweil seinen vielen regionalen Unterorganisationen eine weitere in Indien-Bangladesh-Myanmar hinzu!
Die Karten werden neu gemischt und ein weiterer Abschnitt meiner Kriegstagebücher kann so geschlossen werden: In der Ukraine, Ausgangspunkt meiner Notizen, herrscht nun eine „brüchige“ Waffenruhe. Es gibt einen unterzeichneten Friedensfahrplan, an den – zumindest laut unseren Medien – niemand ernsthaft glaubt, denn neue Sanktionen gegen Russland sollen diese Woche in Kraft treten. Scheitern Poroshenko und Putin, droht neues Ungemach und eine Eskalation, nicht nur im Sanktionswettlauf. Und in Gaza hält gleichfalls die vereinbarte Waffenruhe und die Beteiligten rüsten sich für den „Friedensprozess“ – Abbas droht der Hamas und Israel beschlagnahmt palästinensisches Land und kündigt den Ausbau von Siedlungen im Westjordanland an … In Afghanistan, wo der „Krieg gegen den Terror“ seinen Anfang nahm, ist trotz Intervention von Kerry und Steinmeier noch immer kein neuer Präsident bestimmt. Die Lage bleibt in der Schwebe und die Taliban sind weiter auf dem Vormarsch.
Aber wie gesagt, ein neue Etappe des Krieges zeichnet sich m.E. ab und somit werde ich mit dem sich anschließenden „Abgesang“ sowohl dieses Kapitel der Kriegsnotizen beenden als auch ein neues vorbereiten, für welches folgende Meldung sinnstiftend steht:

„São Paulo. Ein brasilianischer Indio-Stamm hat eine bewaffnete Truppe zur Bekämpfung der illegalen Waldrodung gebildet. Die Kaapor seien im nordbrasilianischen Bundesstaat Maranhão in den Krieg gegen die Holzfäller getreten, weil die zuständigen staatlichen Stellen nichts unternähmen, um die Zerstörung des Urwalds zu stoppen … Um die 150 Kaapor hätten ein Heer gebildet, das bereits im August 16 Holzfäller bei illegaler Rodung überrascht und gefangen genommen habe. Die Männer seien geschlagen und mit Bein- und Armbrüchen im Urwald wieder freigelassen worden. »Wir wissen nicht, ob sie überlebt haben« … Demnächst wolle die Kaapor-Truppe die beiden Wege zerstören, über die Holzfäller in ihr Gebiet eindringen.“ nd-online, 06.09.2014

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