Abgesang

Mitte September 2014

Stand in meinen ersten „Notizen zum Krieg“ der Irak-Krieg der „Koalition der Willigen“ unter Federführung der USA zum Sturz des als obersten Bösewichts erklärten Saddam Hussein im Mittelpunkt, so war der beginnende „Bruderkrieg“ in der Ukraine mit den Folgen einer Neuauflage des „Kalten Kriegs“ des 20. Jahrhunderts ( dem sog. Dritten Weltkrieg!) für mich wieder Anlass, diese neue Etappe im Vierten Weltkrieg anhand der veröffentlichten Meinung in einigen unserer Massenmedien zu reflektieren. Ich bin der Ansicht, dass man die Erklärung aus der obersten Etage des „Empire“ langsam ernst nehmen sollte und wenn 2001 der „Krieg gegen den Terror“ als globale Aufgabe ausgerufen wurde, so wird dies jetzt, nach einer Phase der Besinnung und des Rückzugs, 2014 auf „erweiterter Stufenleiter“ durch den US-Präsidenten bekräftigt und eine neue Konstruktion – Arbeitstitel „Koalition gegen den Terror“ – ausgerufen, an dem sich nicht nur westliche Staaten, sondern auch die VR China, Russland und arabische Länder beteiligen wollen. Der Djihad als Feind der Zivilisation hat nur einen neuen Namen und sicher – davon gehe ich aus – wird es zu einem Zusammenschluss aller „Feinde“ der Ungläubigen kommen. Erste Meldungen von einem Bündnis zwischen den alten und der jungen Djihadisten liegen schon vor.
Dieser Vierte Weltkrieg hat so seine zu diskutierenden besonderen Erscheinungsmerkmale. Einerseits fallen Elemente der alten Kolonialkriege auf. Westliche imperiale Mächte sind im Kampf gegen rückständige Gebiete, Länder, Staaten, Despoten an der Peripherie des Weltsystems. Beispiele sind Somalia, Afghanistan, Irak bis hin zu Libyen, aber auch Tschetschien oder Georgien. Andererseits bekämpfen nichtstaatliche Kräfte in rasant wachsender Anzahl – klassisch verzweifelte und deklassierte Aufständische – in immer mehr Ländern und Regionen die Strukturen des „Empire“, in Afrika ebenso wie im Nahen und Mittleren Osten. Aber auch in vielen weiteen Regionen, siehe die Drogenkriege in Lateinamerika, wird die staatliche Ordnung in Frage gestellt und bewaffnet ein „Stück vom Kuchen“ eingefordert. Ferner zeigt der nach Jugoslawien zweite große Konflikt in Europa, der Aufstand in der Ostukraine mit der einhergehenden altbekannten Ost-West-Konfrontation, vom Fortwirken des „Kalten Krieges“ mit all seinen häßlichen und gefährlichen Zügen.
Auch ohne den Krieg in der Ukraine sind Europa, die EU und unser Land auf komplexe Weise in die Auseinandersetzungen involviert. Man(n) ist an der Periphere militärisch engagiert und steht zu seiner globalen „Verantwortung“ für die Aufrechterhaltung von „weißer“ Hegemonie und kapitalistischem Business; an den Außengrenzen der Reichtumszonen begehren Hundertausende Einlass selbst um den Preis des eigenen Lebens – siehe Bootsflüchtlinge im Mittelmeer oder an der Südgrenze der USA – und die Flüchtlingsströme erzeugen Angst und populistische Ressentiments bei den „Reichen“; jederzeit kann der Terror im eigenen Heim zuschlagen. Durch die „Solidarität“ mit Israel, „Staatsraison“ in unserem Land, ist der Kampf um „Jerusalem“, zwischen Okzident und Orient, Teil unserer Identität.
Neben dem „Krieg“ hätte und hat m.E. die Menschheit genug zu tun, um Hunger und Elend, Ausbeutung und Gewalt auf unserem Planeten zu bekämpfen. Dies gilt umso mehr, da die „Natur“ immer wieder (und angesichts des Klimawandels sogar in zunehmenden Maße) ihren „Preis“ einfordert. Wie der aktuelle Fall der Ebola-Epidemie in Westafrika trotz monatelanger Warnung der WHO „außer Kontrolle“ geraten ist und erst (zu) spät zu Reaktionen der „zivilisierten“ Nationen (siehe Cuba oder die USA) führt, von dem Hunger in Ostafrika ganz zu schweigen, gäbe es genug zu tun, um das Leben auf unserem Planeten für immer mehr Menschen erträglich zu gestalten. Kriege als die größte Geisel der Menschheit sind neben der Folter in diesem unserem 21. Jahrhundert zu beenden, dies erscheint mir zumindest als Überlebensaufgabe gewiss!
So schließe ich hiermit für eine gewisse Zeit meine „Notizen“ ab, werde mich mehr praktischen Dingen widmen, wozu ich auch die Beschäftigung mit ökonomischen Problemen, meiner eigentlichen Profession, zähle. Ich befürchte allerdings, dass die Ereignisse an den Kriegsfronten wieder eine Neuaufnahme des „Kriegstagebuches“ erzwingen werden. Die Perspekive „Frieden“ (Ukraine, Palästina) erscheint mir leider trügerisch, siehe die neue internationalistische Front gegen die IS/ISIS im Irak und in Syrien.

Bis dann also!

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