K1 – Dritter Abschnitt

Inhalt:
Lektion 05: Arbeits- und Verwertungsprozess
Lektion 06: Konstantes und variables Kapital
Lektion 07: Die Rate des Mehrwerts
Lektion 08: Der Arbeitstag
Lektion 09: Rate und Masse des Mehrwerts

Lektion 05: Arbeits- und Verwertungsprozess
Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 192 – 213

Wir verlassen nun mit Marx die Sphäre der Zirkulation oder der Tauschbeziehungen auf den Märkten und begeben uns in die Produktionssphäre, in die Sphäre der Arbeit. Marx betont einleitend, dass „die Produktion von Gebrauchswerten oder Gütern … ihre allgemeine Natur nicht dadurch (ändert), dass sie für den Kapitalisten und unter seiner Kontrolle vorgeht. Der Arbeitsprozess ist daher zunächst unabhängig von jeder gesellschaftlichen Form zu betrachten.“(192)* Dieses „zunächst“ dürfen wir aber nicht vergessen, im Fortgang werden wir sehen, dass die „gesellschaftliche Form“ durchaus auf den Arbeitsprozess konstitutiv einwirkt.
Aber kommen wir zur Definition von Arbeit an sich. Da es sich um eine berühmtesten Ausführungen von Marx handelt, wollen wir sie vollständig zum Selberlesen anführen.**) Wir wollen gleich mit der Kurzdefinition fortfahren: „Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind die zweckmäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst, ihr Gegenstand und ihr Mittel.“ Der „allgemeine Gegenstand der menschlichen Arbeit… findet sich ohne sein Zutun“ in der Natur (vor). Es ist die gesamte Erde mit all ihren Stoffen, vom Wasser über die Pflanzen und Tiere bis hin zum Erz. „Ist der Arbeitsgegenstand dagegen selbst schon durch frühere Arbeit filtriert, so nennen wir ihn Rohmaterial.“ Er hat bereits „eine durch Arbeit vermittelte Veränderung erfahren“(193). Der Mensch wirkt nun mit Hilfe der Arbeitsmittel auf den Arbeitsgegenstand ein und nutzt die „mechanischen, physikalischen, chemischen Eigenschaften der Dinge, um sie als Machtmittel auf andre Dinge, seinem Zweck gemäß, wirken zu lassen.“ Der Mensch könnte so in Anlehnung an Franklin als „ein Werkzeuge fabrizierendes Tier“ betrachtet werden.
Die Arbeitsmittel haben einen zentralen Stellenwert in der Marxschen Theorie, denn die „Arbeitsmittel“ kennzeichnen letztendlich die „ökonomischen Gesellschaftsformationen.“(194) Marx kommt zum kategorialen Schluss:
„Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die ökonomischen Epochen.“(194f) Sie sind „Anzeiger der gesellschaftlichen Verhältnisse, worin gearbeitet wird.“***) Das Produkt des Arbeitsprosses „ist ein Gebrauchswert, ein durch Formveränderung menschlichen Bedürfnissen angeeigneter Naturstoff. Die Arbeit hat sich mit ihrem Gegenstand verbunden. Sie ist vergegenständlicht“(195). Vom Standpunkt des Resultats des Arbeitsprozesses, vom Produkt her betrachtet, „erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als Produktionsmittel und die Arbeit selbst als produktive Arbeit.“ Man merke sich die erste Annäherung an den Begriff der produktiven Arbeit!“Produkte sind daher nicht nur Resultat , sondern zugleich Bedingung des Arbeitsprozesses.“(196) Und „da jedes Ding vielerlei Eigenschaften besitzt und daher verschiedner Nutzanwendung fähig ist, kann das Produkt das Rohmaterial(oder auch als Hilfsstoff) sehr verschiedner Arbeitsprozesse bilden.“ Es gilt: „Ob ein Gebrauchswert als Rohmaterial, Arbeitsmittel oder Produkt erscheint, hängt ganz und gar ab von seiner bestimmten Funktion im Arbeitsprozess“. Als Produktionsmittel verlieren Produkte „den Charakter des Produkts“ und „funktionieren nur noch als gegenständliche Faktoren der lebendigen Arbeit.“(197) Und diese so bedeutungsvolle „lebendige Arbeit“ erweckt alle Dinge „von den Toten“(198). Dieser Gegensatz von „lebendiger“ und toter“ Arbeit wird fundamental für die Marxsche Theorie.
In und durch die Arbeit werden die „stofflichen Elemente“ angeeignet und somit ist der Arbeitsprozess „Konsumtionsprozess. Diese produktive Konsumtion unterscheidet sich dadurch von der individuellen Konsumtion, dass letztere die Produkte als Lebensmittel des lebendigen Individuums, erstere sie als Lebensmittel der Arbeit, seiner sich betätigenden Arbeitskraft, verzehrt.“
Und es gilt der Merksatz: „Das Produkt der individuellen Konsumtion ist daher der Konsument selbst, das Resultat der produktiven Konsumtion ein vom Konsumenten unterschiednes Produkt.“

Marx kommt zum Schluss, dass der Arbeitsprozess die „allgemeine Bedingung des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur, ewige Naturbedingung des menschlichen Lebens und daher … allen seinen Gesellschaftsformen gemeinsam.“(198) Arbeit macht den Menschen zum Menschen!

Doch nicht um eine allgemeine Arbeitswertlehre geht es Marx und so „kehren wir zu unserem Kapitalisten in spe zurück.“ Dieser hatte „auf dem Warenmarkt alle zu einem Arbeitsprozess notwendigen Faktoren gekauft, die gegenständlichen Faktoren oder die Produktionsmittel, den persönlichen Faktor oder die Arbeitskraft.“(199)
Im Konsumtionsprozess der Ware Arbeitskraft, dem Arbeitsprozess, arbeitet der Arbeiter „unter der Kontrolle des Kapitalisten“ und das Produkt dieses Prozesses „ist Eigentum des Kapitalisten, nicht des unmittelbaren Produzenten, des Arbeiters.“(199f) Denn nachdem der Kapitalist dem Arbeiter den Zeitwert der Arbeitskraft bezahlt hat, gehört sie dem Kapitalisten und er wendet sie nach seinen Bedingungen an. „Der Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst als lebendigen Gärungsstoff den toten ihm gleichfalls gehörigen Bildungselementen des Produkts einverleibt.“(200) Sie gehört ihm genauso wie das Resultat des Arbeitsprozesses, das Produkt. „Der Arbeitsprozess ist ein Prozess zwischen Dingen, die der Kapitalist gekauft hat“ (200) und die lebendige Arbeitskraft wird zum Ding wie die zur produktiven Konsumtion benötigten Produktionsmittel. Die Gebrauchswerte, Arbeitskraft wie x-beliebiges Produkt, sind in der Warenproduktion immer zuvorderst „Träger des Tauschwerts“ und unser Kapitalist will „nicht nur einen Gebrauchswert produzieren, sondern eine Ware, nicht nur Gebrauchswert, sondern Wert, und nicht nur Wert, sondern auch Mehrwert.“ „Wie die Ware selbst Einheit von Gebrauchswert und Wert“, erinnert uns Marx, „muss ihr Produktionsprozess Einheit von Arbeitsprozess und Wertbildungsprozess sein.“(201)

Im Wertbildungsprozess gehen alle verschiedenen konkreten Arbeiten ein nur nach ihrer „Quantität“, nur als „gesellschaftliche Durchschnittsarbeit“ (Vgl. die Bestimmung des Werts) „Denn nur gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“, erinnern wir uns wieder, „zählt als wertbildend.“ Somit stellen bestimmte „Quanta Produkt … jetzt nichts dar als bestimmte Quanta Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit.“(204)
Aber „der Wert der Arbeitskraft und ihre Verwertung im Arbeitsprozess sind zwei verschiedene Größen.“ Z.B. sei der Wert zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft gleich sechs Stunden oder ein bestimmter Geldbetrag x, die tatsächliche Anwendung der Arbeitskraft im Produktionsprozess beträgt aber zwölf Stunden. „Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeitskraft kaufte.“ Es ist der „spezifische Gebrauchswert“ der Ware Arbeitskraft, „Quelle von Wert zu sein und von mehr Wert, als sie selbst hat.“ Dies ist „ein besondres Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht gegen den Verkäufer“(206). Der Kernsatz lautet:
„Indem der Kapitalist Geld in Waren verwandelt, die als Stoffbildner eines neuen Produkts oder als Faktoren des Arbeitsprozesses dienen, indem er ihrer toten Gegenständlichkeit lebendige Arbeitskraft einverleibt, verwandelt er Wert, vergangne, vergegenständlichte, tote Arbeit in Kapital, sich selbst verwertenden Wert“.
Dauert nun der Produktionsprozess länger als nötig, um den Wert der Ware Arbeitskraft durch ein neues Äquivalent zu ersetzen, wird er also nach unserem Beispiel über sechs Stunden hinaus verlängert, wird der Wertbildungsprozess zum „Verwertungsprozess“(209) des Kapitals.

Führen wir unser Beispiel aus:
In sechs Stunden stellt der Arbeiter, dessen Arbeitskraft dem Kapitalisten 10 Geldeinheiten (GE) kostet, 5 Produkte her, zu deren Produktion Produktionsmittel (Rohstoff, Hilfsmittel, Maschinen etc.) in Höhe von ebenfalls 10 GE nötig sind. Der Wert(= hier gleich Preis) je Produkt ist folglich 20GE : 5 Produkte = 4 GE je Produkt. Wendet der Kapitalist nun den Arbeiter 12 Stunden an, bleibt dessen Wert mit 10 GE gleich; die Produktionsmittel, die Nutzbarmachung vergangner „toter“ Arbeit erhöht sich somit auf 20 GE. Es werden nun 10 Produkte mit einem Wert von 10×4 Ge= 40GE vom Kapitalisten angeeignet, zu deren Produktion er nur 30 GE vorschießen musste. Der Mehrwert aus dem Verwertungsprozess des Kapitals beträgt also 40-30 GE=10 GE.

Der bei der „Analyse der Ware gewonnene Unterschied zwischen der Arbeit, soweit sie Gebrauchswert, und derselben Arbeit, soweit sie Wert schafft,“ stellt sich nun dar „als Unterscheidung der verschiedenen Seiten des Produktionsprozesses“. Der Merkssatz lautet: „Als Einheit von Arbeitsprozess und Wertbildungsprozess ist der Produktionsprozess (in den ersten sechs Stunden des Arbeitstages) Produktionsprozess von Waren; als Einheit von Arbeitsprozess und Verwertungsprozess (in den zwölf Stunden) ist er kapitalistischer Produktionsprozess, kapitalistische Form der Warenproduktion.“(211)

Die angewandte Arbeit, ob „einfache, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit oder kompliziertere Arbeit“, dies merkt Marx abschließend an, ist aus der Sicht des Verwertungsprozesses „gleichgültig“.(211) „Die Arbeit, die als höhere, kompliziertere Arbeit gegenüber der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit gilt, ist die Äußerung einer Arbeitskraft, worin höhere Bildungskosten eingehen“(211f) und deren Wert deshalb höher ist, z.B. 20 GE statt derer 10. Sie „vergegenständlicht sich daher, in denselben Zeiträumen, in verhältnismäßig höheren Werten.“(212) Am grundlegend dargestellten Sachverhalt ändert sich daher nichts.

Fragen zum Verständnis und zur Diskussion:
1) Was unterscheidet Arbeits-, Wertbildungs- und kapitalistischen Verwertungsprozess?
2) Warum unterscheidet Marx „lebendige“ von „toter“ Arbeit?
3) Warum unterscheidet Marx zwischen Arbeit und Arbeitskraft?
4) Warum verwendet Marx die durchschnittliche, einfache Arbeitskraft?
5) Was ist Mehrwert?

*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23

**) „Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit. Wir haben es hier nicht mit den ersten tierartig instinktmäßigen Formen der Arbeit zu tun. Dem Zustand, worin der Arbeiter als Verkäufer seiner eignen Arbeitskraft auf dem Warenmarkt auftritt, ist in urzeitlichen Hintergrund der Zustand entrückt, worin die menschliche Arbeit ihre erste instinktartige Form noch nicht abgestreift hatte. Wir unterstellen die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschließlich angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war. Nicht dass er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muss. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. Außer der Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckmäßige Wille, der sich als Aufmerksamkeit äußert, für die ganze Dauer der Arbeit erheischt, und um so mehr, je weniger sie durch den eignen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreißt, je weniger er sie daher als Spiel seiner eignen körperlichen und geistigen Kräfte genießt.
Die einfachen Momente des Arbeitsprozesses sind die zweckmäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst, ihr Gegenstand und ihr Mittel.“
(192f)

***) Insofern, sollte Marx Recht haben, wäre der ehemalige „realexistierende Sozialismus“ durchaus keine von der kapitalistischen Gesellschaftsformation verschiedene Angelegenheit gewesen!

Lektion 06: Konstantes und variables Kapital
Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 214 – 225

Durch den Kauf der Ware Arbeitskraft erweckt der Kapitalist, habe wir im letzten Kapitel gelernt, die tote, in den Produktionsmitteln vergegenständlichte Arbeit, zum Leben. Wie nun die „verschiedenen Faktoren des Arbeitsprozesses … an der Bildung des Produkten-Werts“ teilnehmen, wollen wir nun, Marx folgend, betrachten.Während die angewandte Arbeit „dem Arbeitsgegenstand neuen Wert“ zusetzt, wird „der Wert der Produktionsmittel… erhalten durch seine Übertragung auf das (neue) Produkt.“ Durch den Arbeitsprozess, der Verwandlung von Produktionsmittel in ein neues Produkt, vermittelt die Anwendung der Arbeit diese Übertragung. Dies gilt es näher zu betrachten.
Aus der „Doppelseitigkeit“ der Arbeit, die zugleich ihren Wert dem Produkt neu zusetzt und gleichzeitig die alten, toten Werte der Produktionsmittel überträgt, folgt die „Doppelseitigkeit des Resultats“(214)*. Einerseits, „in ihrer abstrakten, allgemeinen Eigenschaft …, als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, setzt die Arbeit … den Werten (der Produktionsmittel) … Neuwert zu, und in ihrer konkreten, besondren, nützlichen Eigenschaft .. überträgt sie den Wert dieser Produktionsmittel auf das Produkt und erhält so ihren Wert im Produkt.“(215) Knapp gefasst: „Durch das quantitative Zusetzen von Arbeit wird neuer Wert zugesetzt, durch die Qualität der zugesetzten Arbeit werden die alten Werte der Produktionsmittel im Produkt erhalten.“(215f) Allgemein gilt: „Es zeigt sich…, dass ein Produktionsmittel nie mehr Wert an das Produkt abgibt, als es im Arbeitsprozess durch Vernichtung seines eignen Gebrauchswerts verliert.“(218) Kohle zur Energieerzeugung wird verbrannt, Rohstoffe und Halbfabrikate werden verarbeitet, Maschinen und Gebäude werden verschlissen.
Noch einmal poetisch Marx dazu: „Indem die produktive(!) Arbeit Produktionsmittel in Bildungselemente eine neuen Produkts verwandelt, geht mit dem Wert eine Seeelenwanderung vor. Er geht aus dem verzehrten Leib in den neu gestalteten Leib über. Aber diese Seelenwanderung ereignet sich gleichsam hinter dem Rücken der wirklichen Arbeit.“ Diese „Naturgabe“ der „lebendigen Arbeit“, „die dem Arbeiter nichts kostet, aber dem Kapitalisten viel einbringt“, nämlich „die Erhaltung des vorhandnen Kapitalwerts“(221), solange der Arbeitsprozess nicht „gewaltsam“ stockt.
Genauer gesprochen wird „der Wert der Produktionsmittel … nicht reproduziert“, sondern im „neuen Gebrauchswert … erscheint … der alte Tauschwert“(222) wieder.
„Der Teil des Kapitals“, fasst Marx definitorisch zusammen, „der sich in Produktionsmittel … umsetzt, verändert seine Wertgröße nicht im Produktionsprozess. Ich nenne ihn daher konstanten Kapitalteil, oder kürzer: konstantes Kapital.“ (223)

Im Gegensatz dazu bildet der „subjektive(!) Faktor des Arbeitsprozesses“, die „sich betätigende Arbeitskraft“ des Arbeiters, „zusätzlichen Wert, Neuwert.“ Ihr vom Kapitalisten vorgeschossener Wert „bildet den Überschuss des Produktenwerts über seine dem Wert der Produktionsmittel geschuldeten Bestandteile. Er ist der einzige Originalwert“, der durch den Arbeits- und Verwertungsprozess „selbst produziert ist.“ Er “ ist wirklich reproduziert, nicht nur scheinbar, wie der Wert der Produktionsmittel. Der Ersatz eines Werts durch den andren ist hier vermittelt durch neue Wertschöpfung.“
Marx fasst zusammen: „Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals … reproduziert sein eignes Äquivalent und (im Verwertungsprozess) einen Überschuß darüber. Mehrwert … Aus einer konstanten (vorgeschossenem Geldbetrag) Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapital fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen Kapitalteil oder kürzer: variables Kapital.“ Es gilt der Merksatz:
„Dieselben Kapitalbestandteile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als objektive und subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses als konstantes Kapital und variables Kapital.“(224)
Durch Änderung der „gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit“ des Werts der Produktionsmittel mag sich zwar „das Größenverhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital oder die Proportion, worin das Gesamtkapital in konstante und variable Bestandteile zerfällt“ ändern, aber dies „berührt dagegen nicht den Unterschied von konstant und variabel.“

(225)

Fragen zum Verständnis und zur Diskussion:
1) Was bewirkt der Unterschied in der Verausgabung von quantitativer und qualitativer Arbeit(skraft)?
2) Was ist der wesentliche Unterschied zwischen variablen und konstanten Kapital?
3) Sind die Faktoren des Arbeitsprozesses gleichwertig wie in der bürgerlichen Wirtschaftslehre?
4) Was hat die Bildung von „Neuwert“ mit der heutigen Mehrwertsteuer zu tun?

*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23

Lektion 07: Die Rate des Mehrwerts
Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 226 – 244

Greifen wir unser Beispiel aus der Lektion 5 wieder auf, so stellt sich das vorgeschossene Kapital C dar in der berühmten Formel: C = c + v, wobei c das in den Prozess eingegangene tote oder konstante Kapital der Produktionsmittel bezeichnet und v den Wert des variablen Kapitals. Ziel des Arbeits- wie Verwertungsprozesses unter der Kontrolle des Kapitalisten ist C´ oder die Erzielung eines „Überschusses des Produktenwerts über den Wert seiner Produktionselemente gleich der Verwertung des vorgeschossenen Kapitals oder gleich dem produzierten Mehrwert“(226)* gleich m. Es gilt somit:
C´ = c + v +m oder mit unserem Beispiel 40 = 20 + 10 +10
Das im Prozess tatsächliche Mehrprodukt beträgt, wie wir wissen, nur 20 GE, v + m, da die 20 GE des vorgeschossenen konstanten Kapitals nur im Neuprodukt erhalten und umgeschlagen werden. Wie sich das vorgeschossene variable Kapital verwertet, ist somit ausgedrückt in m/v oder 10/10 gleich 100 Prozent. „Diese verhältnismäßige Verwertung des variablen Kapitals oder die verhältnismäßige Größe des Mehrwerts (nennt Marx) Rate des Mehrwerts.“(230)
In unserem Beispiel stellte sich der Wert v in sechs Arbeitsstunden dar, tatsächliche Arbeitszeit waren aber 12 Stunden. „Den Teil des Arbeitstags“, in dem die Reproduktion oder Werterhaltung der Ware Arbeitskraft oder des Arbeiters erfolgt, nennt Marx die „notwendige Arbeitszeit, die während derselben verausgabte Arbeit notwendige Arbeit.“(230f) Und diese Zeit ist „notwendig für den Arbeiter, weil unabhängig von der gesellschaftlichen Form (!) seiner Arbeit. Notwendig für das Kapital und seine Welt, weil das beständige Dasein des Arbeiters ihre Basis.“ Ohne die Erhaltung der Arbeitskraft und damit des Lebens des Arbeiters eben keinen Arbeits-, Wertbildungs- und Verwertungsprozess, denn: Die andere Hälfte des Arbeitstages nach unserem Beispiel, „die der Arbeiter über die Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus schanzt, kostet ihm zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Wert für ihn. Sie bildet Mehrwert … Diesen Teil des Arbeitstages (nennt Marx) Surplusarbeitszeit, und die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit.“ Es sei entscheidend „für die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen.“
Sahen wir in der Lektion 5 die Arbeitsmittel als Charakteristika der Gesellschaftsformationen, so betont Marx nun: „Nur die Form, worin diese Mehrarbeit den unmittelbaren Produzenten … abgepresst wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, z.B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit.“(231)Den Teil des erzeugten Produkts, in unserem Beispiel den Teil von10x, „worin sich der Mehrwert darstellt“, nennt Marx nun folgerichtig „Mehrprodukt“, gleich 2 ½ . Marx betont, „wie die Rate des Mehrwerts durch sein Verhältnis nicht zur Gesamtsumme, sondern zum variablen Bestandteil des Kapitals bestimmt wird, so“ gilt dies auch für „die Höhe des Mehrprodukts“, welches nicht „durch sein Verhältnis zum Rest des Gesamtprodukts, sondern zum Produktteil, worin sich die notwendige Arbeitszeit darstellt“, ausdrückt. Und dies waren nach unserem Beispiel ebenfalls 2 ½ Produkte. Und Marx gibt uns den Lehrsatz mit:
„Wie die Produktion von Mehrwert der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so misst nicht die absolute Größe des Produkts, sondern die relative Größe des Mehrprodukts den Höhegrad des Reichtums.“(243) Erinnern wir uns an die erste Lektion und wie dort Reichtum „erscheint“!
„Die Summe der notwendigen Arbeit und der Mehrarbeit“, so schließt Marx dieses Kapitel und leitet zum nächsten über, „der Zeitabschnitte, worin der Arbeiter den Ersatzwert seiner Arbeitskraft und den Mehrwert produziert, bildet die absolute Größe seiner Arbeitszeit – den Arbeitstag“

(244).

Fragen zum Verständnis und zur Diskussion:
1) Warum misst sich die Rate des Mehrwerts nicht am Wert des Gesamtprodukts?
2) Wie kommt das Mehrprodukt zustande, was muss mit dem Arbeiter geschehen?
3) Wie verhalten sich Mehrprodukt und Mehrwertsteuer?

*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23

Lektion 08: Der Arbeitstag
Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 245 – 320

Wir haben gelernt, welche Bedeutung die Arbeit für die Konstitution der gesellschaftlichen Beziehungen und den kategorialen Rahmen bei Marx im „Kapital“ hat und wir haben verfolgt, wie nach dem Kauf der Ware Arbeitskraft sich die Protagonisten aus der Sphäre des gleichen Tausches in die Ebene der Produktion begaben. Der eine bedrückt, der andere froh des Kommenden. (vgl. 191)*)
Die Arbeitskraft, die so als Ware zu „ihrem Werte gekauft und verkauft wird“(245), wird nun vom Kapitalisten eine bestimmte Zeit pro Tag im Arbeits- und Verwertungsprozess des Kapitals angewandt. „Der Arbeitstag ist“, betont aber Marx, „keine konstante“, naturnotwendige, „sondern eine variable Größe. Einer seiner Teile ist zwar bestimmt durch die zur beständigen Reproduktion des Arbeiters selbst erheischte Arbeitszeit“ (in unserem Beispiel aus Lektion 05 sechs Stunden), „aber seine Gesamtgröße wechselt mit der Länge oder Dauer der (unbezahlten) Mehrarbeit“ für den Kapitalisten, in unserem Beispiel ebenfalls sechs Stunden. Die Rate des Mehrwerts wie der Mehrarbeit ist so Mehrarbeitszeit : Notwendige Arbeitszeit oder 100 Prozent.
Es kann, auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise, die notwendige Arbeitszeit nicht mit der Gesamtarbeitszeit zusammenfallen, denn ohne die Potenz zur Mehrarbeit würde der Kapitalist die Ware Arbeitskraft nicht kaufen und seine Verwertung des Kapitals wäre nicht möglich. Also kann „der Arbeitstag sich nie auf dies Minimum verkürzen“. Andererseits „besitzt der Arbeitstag eine Maximalschranke“, eine natürliche sofort einsehbare Grenze von 24 Stunden. Wichtiger noch, betont Marx, braucht der Arbeiter neben dem Schlaf und Erholung „Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedürfnisse, deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen Kulturzustand bestimmt sind. Die Variation des Arbeitstages bewegt sich daher innerhalb physischer und sozialer Schranken.“(246)Nun beruft sich der Kapitalist als Käufer der Ware Arbeitskraft „auf das Gesetz des Warenaustausches“ und „sucht den größtmöglichen Nutzen aus dem Gebrauchswert seiner Ware herauszuschlagen“(247), der Arbeiter als Verkäufer hat ein überlebensnotwendiges Interesse, die Arbeitszeit und damit die kostenlose Mehrarbeitszeit zu beschränken. „Es findet hier also eine Antimonie statt, Recht (steht) wider Recht, beide gleichmäßig durch die Gesetze des Warenaustauschs besiegelt. Zwischen gleichen Rechten entscheidet die Gewalt.“ „In der Geschichte der kapitalistischen Produktion“ tobt ein immerwährender Kampf um die Länge des Normalarbeitstages und zwar „ein Kampf zwischen dem Gesamtkapitalisten, d.h. der Klasse der Kapitalisten, und dem Gesamtarbeiter, oder der Arbeiterklasse.“ Erst die Ergebnisse des Klassenkampfes begrenzen den „Heißhunger nach Mehrarbeit“(249).
Marx verweist nun darauf, dass jede Ausbeuterordnung durch die Aneignung von Mehrarbeit gekennzeichnet ist. „Sobald aber Völker, deren Produktion sich noch in den niedrigen (!) Formen der Sklavenarbeit, Fronarbeit usw. bewegt, hineingezogen werden in einen durch die kapitalistische Produktionsweise beherrschten Weltmarkt (!) … wird den barbarischen Greuel der Sklaverei, Leibeigenschaft usw. der zivilisierte (!) Greuel der Überarbeit aufgepropft.“(250)

Und diese Abpressung der „Überarbeit“, die maßlose Verlängerung des Arbeitstages wie die Arbeit von Kindern und Frauen unter den entsetzlichen Bedingungen zu den Zeiten von Marx im 19. Jahrhundert können wir in diesem Kapitel detailliert nachlesen und heute immer noch an den peripheren Rändern der „Globalisierung“ beobachten. Und wir können auch lernen, dass bereits damals die Beschränkung des Arbeitstages gesellschaftlich sich durchzusetzen begann. „Gesetze zügeln den Drang des Kapitals nach maßloser Aussaugung der Arbeitskraft durch gewaltsame Beschränkung des Arbeitstages von Staats wegen“. Die „blinde Raubgier“ der Kapitalisten nach maßloser Ausdehnung der Arbeit über soziale und physische Grenzen hinaus, Kennzeichen der kapitalistischen Produktionsweise in ihrer historischen Durchsetzungsphase (vgl. S.280), muss selbst „von Seiten eines Staates, den Kapitalist und Landlord beherrschen“(253), begegnet werden. Und bis heute gibt es, neben dem Tarifrecht als Ausdruck des Klassenkampfes zwischen „Gesamtkapitalist“ und „Gesamtarbeiter“(249), dieses staatliche Arbeitszeitrecht. Es gilt der Marxsche Merksatz bis heute:
„Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird.“(285) Warum ist der Kapitalist gegen jede Moral und Verstand so maßlos in seiner Gier? Marx stellt klar: „Im großen und ganzen hängt dies aber auch nicht vom guten oder bösen Willen (!) des einzelnen Kapitalisten ab. Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenüber als äußerliches Zwangsgesetz geltend.“(286) Der gnadenlose Konkurrenzkampf der Kapitalisten untereinander zwingt sie, soviel Mehrarbeit abzupressen wie nur irgendwie möglich.
Die Regulierung der Arbeitszeit ist nun „Ergebnis langwieriger Klassenkämpfe“(299). Resultat der Klassenkämpfe ist die Verrechtlichung der ökonomischen Beziehungen und deren Berechenbarkeit. Gestern, heute, und in der Zukunft!
Warum letztendlich die Beschränkung der Arbeitszeit möglich war, hängt auch daran, dass eine mögliche individuelle Verlängerung der Arbeitszeit gar nicht im Interesse der Klasse der Kapitalisten liegt. Vielmehr gilt: „gleiche Exploitation (Ausbeutung) der Arbeitskraft ist das erste Menschenrecht des Kapitals.“(309) Dies bedingt die Konkurrenz um gleiche Ausbeutungsbedingungen.
Doch freiwillig würden die Kapitalisten nie auf einen allgemein gültigen Arbeitstag von 12 oder 16 Stunden verzichten. Aber auch nicht der einzelne Arbeiter in seiner Notsituation! Marx endet darum dieses Kapitel mit der Aufforderung zum Klassenkampf:
Zu ihrem eigenen „Schutz“ … müssen die Arbeiter ihre Köpfe zusammenrotten und als Klasse ein Staatsgesetz erzwingen, ein übermächtiges gesellschaftliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch freiwilligen Kontrakt mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und Sklaverei zu verkaufen. An die Stelle des prunkvollen Katalogs der unveräußerlichen Menschenrechte tritt die bescheidne Magna Charta eines gesetzlich beschränkten Arbeitstages“.(320) Und so ist von damals bis heute zentral die Forderung nach einem „Normalarbeitstag“ von acht Stunden (vgl. die Geschichte des 1.Mai) und die staatliche Kontrolle und Normierung der Arbeitsbedingungen.

Fragen zum Verständnis und zur Diskussion:
1) Warum ist der Kampf um einen „Normalarbeitstag“ von so immenser Bedeutung für die Existenzweise sowohl von Kapital als auch der Arbeit?
2) Warum hat der Gesamtkapitalist ein anderes Interesse als der individuelle Kapitalist?
3) Warum muss auch der einzelne Arbeiter daran gehindert werden, sich zu jeder Bedingung zu verkaufen?
4) Warum ist heute eine Re-Individualisierung der Arbeitsbeziehungen, der Arbeitsbedingungen und der Arbeitszeit im Interesse von Staat und Kapital?

*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23

Lektion 09: Rate und Masse des Mehrwerts
Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, S. 321 – 330

Wir sind nun mit dem 9.Kapitel beim Abschluss des III. Abschnitts des „Kapitals“ angekommen und Marx fasst zusammen und vertieft nun unsere Erkenntnisse über die „Produktion des absoluten Mehrwerts“. „Der Wert der (Ware) Arbeitskraft, … der zur Reproduktion oder Erhaltung der Arbeitskraft notwendige Teil des Arbeitstags“(321)*), wird weiter als konstant angenommen und nur die „Überarbeit“(250), die Mehrarbeit über dieses notwendige Maß hinaus, ist Gegenstand der Analyse. Wir haben den Produktionsprozess kennen gelernt, in dem das „personifizierte Kapital, der Kapitalist,“ in einem „Zwangsverhältnis“ über die Lohnarbeit herrscht und „an Energie, Maßlosigkeit und Wirksamkeit alle frühern auf direkter Zwangsarbeit beruhenden Produktionssysteme“ (328) übertrifft. Als Verwertungsprozess des Kapitals sind es „die Produktionsmittel, die den Arbeiter anwenden“. Jeder Stillstand oder die Nichtnutzung der Produktionsmittel wird zum „Verlust für den Kapitalisten“. Die „charakteristische Verkehrung, ja Verrückung des Verhältnisses von toter und lebendiger Arbeit“ verwandelt „die gegenständlichen Faktoren des Produktionsprozesses … in Rechtstitel und Zwangstitel auf fremde Arbeit und Mehrarbeit.“(329)Wenden wir uns den Gesetzen der Mehrarbeit oder des Mehrwerts zu. Das erste Gesetz lautet wie folgt: „Die Masse des produzierten Mehrwerts ist gleich der Größe des vorgeschoßnen variablen Kapitals multipliziert mit der Rate des Mehrwerts“(321f), wobei diese in unserem Beispiel 100 Prozent beträgt, „oder ist bestimmt durch das zusammengesetzte Verhältnis zwischen der Anzahl der vom demselben Kapitalisten gleichzeitig exploitierten Arbeitskräfte (k) und dem Exploitationsgrad der einzelnen Arbeitskraft.“(322) Die Masse des Mehrwerts (M) beträgt also, gehen wir von 100 angewandten Arbeitskräften und je 10 Geldeinheiten abgepressten Werts je Arbeitskraft aus, 1.000 Geldeinheiten und ist damit, bei einer Mehrwertrate von 100 Prozent, gleich groß dem Wert V der angewandten 100 Arbeitskräften. Will der Kapitalist den Anteil des variablen Kapitals vermindern, kann er den Exploitationsgrad der Arbeitskraft erhöhen oder muss anders ausgedrückt, da der Wert der Arbeitskraft konstant gesetzt ist, den Arbeitstag verlängern.
Dies Verlängerung des Arbeitstages hat, wie wir bereits wissen, seine „unüberspringbare Schranke“ durch die Dauer eines Tages und „bildet eine absolute Schranke für den Ersatz von vermindertem variablen Kapital durch gesteigerte Rate des Mehrwerts oder von verringerter exploitierten Arbeiteranzahl durch erhöhten Exploitationsgrad der Arbeitskraft.“(323) Dieses zweite Gesetz bildet die Basis für den Widerspuch im Kapitalverhältnis, einerseits das variable Kapital möglichst zu minimieren und andererseits eine „möglichst große Masse von Mehrwert zu produzieren.“

Ein drittes Gesetz ergibt sich aus der Bestimmung der Masse des Mehrwerts durch die beiden Faktoren „Rate des Mehrwerts und Größe des vorgeschoßnen variablen Kapitals.“ „Bei gegebner Rate des Mehrwerts und gegebnem Wert der Arbeitskraft verhalten sich also die Massen des produzierten Mehrwerts direkt wie die Größen der vorgeschoßnen variablen Kapitale.“(324) Je mehr Lohnarbeit angewandt wird, desto größer die abgepresste Mehrarbeit und somit der Mehrwert.
Ein „gewisser Höhegrad der kapitalistischen Produktion“ muss erreicht sein, damit der Kapitalist nur mehr als „personifiziertes Kapital funktioniert“(326), „wo die für die Produktion vorgeschoßne Minimalsumme weit über dem mittelaltrigen Maximum (z.B. im Handwerk) steht.“ Die „bloß quantitative Veränderung“ der Lohnarbeit muss „auf einem gewissen Punkt in qualitative Unterschiede umschlagen.“(327)
Der Kapitalist wird erst zum Kapitalist, die Produktionsweise erst dann kapitalistisch, wenn der einzelne Kapitalist wie die gesamte Kapitalistenklasse über das Kommando einer hinreichenden Arbeiteranzahl verfügen! Dieses Minimum an angewandter Arbeitskraft wechselt auf den verschiedenen Entwicklungsstufen der Produktion und ist bei gegebener Stufe in den verschiedenen Produktionssphären mit ihren jeweiligen technischen Bedingungen unterschiedlich.

(vgl.327/28)

Frage zum Verständnis und zur Diskussion:
Wie kann der Kapitalist seinen Mehrwert steigern und worin finden sich Schranken für dieses Tun?

*) alle Zitate mit Seitenangabe aus Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW 23

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