„Und bist Du nicht willig, so brauch ich …“

Gewalt. Zur „Frauenfrage“ aus männlicher Sicht

Was denn Gewalt sei, deren Deutung unterliegt wie alle Kategorien dem gesellschaftlichen Wandel im Fluß der Zeit. Die Marxschen „gewaltförmigen Verhältnisse“, zu seiner Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts vieldeutg gefasst, als neben der Lohnsklaverei in der entwickelten Welt noch in weiten Teilen die Sklaverei des „schwarzen Mannes“ neben der Kolonialgewalt anzutreffen war,

wurden sowohl zaghaft von bürgerlicher Seite als auch von der sich kraftvoll entwickelnden internationalen Arbeiterbewegung Forderungen erhoben, um auf die doppelte oder dreifachen Gewalt, denen die Frauen unterworfen waren, aufmerksam zu machen. Es war der deutsche Führer der gerade verbotenen Sozialdemokratie August Begbel, der in seinem Werk „Die Frau und der Sozialismus“ 1879 die Lage des weiblichen Geschlechts umfassend anprangete und verkündete, dass der proletarische Sozialimus neben der Abschaffung des Eigentums und des Staates als Hort der Unterdrückung die Frau dem Mann sozial und politisch gleichstellen würde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – Bebels Buch erlebte die 50. Auflage und erschien in zwanzig Sprachen – formierten sich für die Erkämpfung des Wahlrechts die Souffrageten und die Sozialistinnen erhoben die Forderung nach einem „Internationalen Frauentag“, der gleichberechtigt neben dem „1.Mai“ die völlige Gleichstellung für die „Hälfte des Himmels“ zum Ziel sich setzte. In der DDR wie in allen sozialistischen Ländern feierlich begangen, erklärte die UN 1977 den 8. März zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. (1) Heute, nach dem Niedergang des staatichen europäischen Sozialismus, der im Rahmen der allgemeinen politischen Unterdrückung auf sozialen und kulturellen Gebiete den Frauen viele „Errungenschaften“ darbot, wird breit die „Diskriminierung“ aus rassistischen, religiösen oder biologischen Gründen angeprangert und mensch beginnt partiell, die Gewalt wegen der sexuellen Orientierung neben die vielfältigen gewaltförmigen Verhältnisse, denen Frauen (und Kinder, beginnend auch Tiere) trotz ihres langen Kampfes unterworfen sind, zu thematisieren.

Es geht um nackte, brutale Gewalt, die Frauen durch Männer in der Familie, in der (Lohn-) Arbeit und durch Prostitution erleben, wo sich jahrtausende alte archaische Verhaltensmuster mit „moderner“ despotischer Ausbeutung verschränken. Mensch beginnt seit einigen Jahrzehnten sich bewußt werden, dass die große Mehrheit der Frauen dieser Welt, immerhin 3,7 Mrd. Personen, betroffen ist. Hundertausende werden jedes Jahr erschlagen und wie in Indien verbrannt: Millionen durch Genitalverstümmelang fürs ganze Leben gebrandmarkt, müssen sich zu Tode schuften und werden in der Prostitution erniedrigt. Millionen und abermillionen Männern profitieren. Es ist das Streben nach absoluter Macht und grenzenloser Gier, die dem „starken Geschlecht“ im modenen globalen Kapitalismus mit immer mehr Möglichkeiten offen steht. Der Männlichkeitskult entfaltet sich in immer mehr Kriegen, ideolgisch gespeist durch reaktionäre alte und neue Ideologien. In vielen Regionen sind erkämpfte Menschen- und Frauenrechte bedroht, nicht nur in islamistischen Gegenden. Was tun?

Damit Frauen und Männer in den Klassengesellschaften zum solidarischen, befreiten Miteinander kommen, sind viele Blockaden im Kopf zu überwinden, auch oder gerade bei den Unterdückten. Anklage der Verhältnisse braucht die gemeinsamen Kampferfahrungen, ob im Streik oder beim Aufstand gegen die Kriegsherren. Nur so kann die Solidarität, „die Zärtlichkeit der Völker“, Schritt für Schritt aus der Defensive herauskommen.

(1) Heute ist der 8. März noch in postrevolutionären Staaten, wie Angola, Burkina Faso, Georgien, Kasachstan, Russland und Vietnam (Auswahl) ein gesetzlicher Feiertag. In der VR China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. (siehe wikipedia.org/Frauentag)

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