Mordsache

Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

demo-kl-rlDie Geschichte der Arbeiterbewegung im Kapitalismus ist reich an Fehlern, an schmerzhaften Niederlagen, Terror und Unterdrückung, von der Pariser Commune bis hin zu den KZs der Nazis. Daran zu erinnern, das Vergangene lebendig zu halten, ist die Aufgabe jeder Bewegung, denn ohne historisches Bewußtsein ist die Gegenwart nicht zu meistern. Umso mehr, wenn die Oberhoheit der Auslegung der Geschichte und damit über ein historisches Bewußtsein bei den Herrschenden liegt. Ist die Bewegung schwach und liegt nach der Niedergang der 80er Jahre darnieder, verkommt auch die Erinnerungsarbeit nur zu leicht zur sektiererischer Verklärung des Geschehens.

Und die Novemberrevolution in Deutschland, ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte am Ausgang des Ersten Weltkrieges, welche mithalf, diesen zu beenden und eine letztendlich zum Scheitern verurteilte demokratische Entwicklung einleitete, den Acht-Stunden-Tag ebenso erkämpfte wie das Wahlrecht für die Frauen, blieb unvollendet und endete für den revolutionären Teil der deutschen Arbeiterbewegung mit einer schmerzhaften Niederlage. Gesellschaftliche Niederlagen finden eben nicht (nur) am Schreibtisch statt, auf der „Straße“ entscheidet sich oft in Blut getränkt das Geschehen. Und die revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland zahlte bei der Niederschlagung der Novemberrevolution einen tausendfachen Blutpreis.

In der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, den anerkannten Führern der jungen KPD, gipfelte der „weiße Terror“*) Wer waren die Täter und was waren die Folgen dieser Morde?
Vordergründig und unmittelbar waren die Mörder Teil einer Soldateska, die aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges entmenscht handelten. Wer den Mordbefehl gab, ist historisch noch immer strittig, unbezweifelbarer Fakt ist jedoch das Bündnis aus rechter Mehrheitssozialdemokratie mit der alten Reichswehr, dem reaktionärsten Teil der alten Gesellschaft des Kaiserreichs, zur Niederschlagung der so verhassten sozialen Revolution. Die Sozialdemokratie, schon erfahren bei der Aufgabe linker Positionen, man bedenke nur die Bewilligung der Kriegskredite und die aktive Parteinahme für die deutschen räuberischen Kriegsziele, wollte nicht an die Seite der Bolschewiki treten und die internationale Revolution stärken. Ganz im Gegenteil! Ebert, Scheidemann, Noske und Co. verbündeten sich lieber mit dem „Klassenfeind“, als dass man den „Pöbel“ auf den Straßen gewähren ließ. **)

Und die Folgen?
Die „Weimarer Republik“ betrat blutgetränkt ohne „Demokraten“ die öffentliche Bühne und die Spaltung der deutschen (und internationalen) Arbeiterbewegung steigerte sich bis zum offenen gegenseitigen Hass, der selbst die Angst vorm Faschismus übertraf.***) Revoluzzer und Sozis fanden sich erst wieder vereint in den KZs der siegreichen Nazis, die ohne die mörderische Spaltung der Arbeiterbewegung wohl nicht die Macht hätten erringen können.Der Mord an Luxemburg und Liebknecht ist das Menetekel einer gewalttätigen Zeit mit historischer Langzeitwirkung.

*) Der Hass auf die „Bolsheviki“ und ihrer Nachahmer in Deutschland speist sich auch aus dem im Juli 1918 erfolgten Drama der Ermordung der Zarenfamilie. Es waren die Linken in der internationalen Arbeiterbewegung, die, vor dem Hintegrund der Schrecken des Weltkrieges, dem „Klassenfeind“ den Kampf bis aufs Messer erklärten und die „Reaktion“ stärkten.

**) Das die deutsche Sozialdemokratie schonungslos demaskierende Werk „Der große Verrat“ (1968) von dem großen Publizisten Sebastian Haffner (1907 – 1999) spricht bereits im Titel das Urteil über die Novemberrevolution aus.

***) Die Sozialfaschismustheorie oder -these wurde im Juli 1929 vom EKKI für verbindlich erklärt und von der KPD bereits im Juni 1929 als Hauptstrategie beschlossen. Den Feind in den eigenen Reihen, die Sozialdemokratie, galt es primär zu bekämpfen. Erst 1935 kehrte die KI zur Volksfrontstrategie zurück.

 

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.