„Himmlischer Frieden“

Die VR China im Rentenalter
Mit der Ausrufung der Volksrepublik am 01.Oktober 1949 durch Mao Zedong auf dem Tor zum Platz des himmlischen Friedens, dem Tian’anmen (1), begann für China unter extremen Schwankungen ein neues Zeitalter der nationalen Einheit und des (sozialen) Fortschritts. Für die „bürgerliche“ antikommunistische Geschichtsschreibung ist die alleinige Herrschaft der KP eine bis heute anhaltende Periode der Diktatur, des Völkermords und der Missachtung der fundamentalen Menschenrechte. Mit Mao wäre China in der „Hölle“(Diktum in n-tv/n24) gelandet
Der Gründungsvater des „neuen“ Chinas, Mao Zedong (2), war seit 1921 ein führender Kopf der damals noch mit der bürgerlichen Kuomintang verbündeten KP und wurde mit beginnendem Bürgerkrieg 1927 der Führer einer abgeschiedenen ländlichen Sowjetrepublik. 1934 begann der sog. Lange Marsch aus dem Süden nach Norden, wobei innerhalb von 370 Tagen 12.500 Kilometer zurücklegt wurden. Nur etwa zehn Prozent der 90.000 Teilnehmer erreichten ihr Ziel und konnten eine Guerillafront gegen die japanischen Invasoren eröffnen. 1945 begann erneut der offene Bürgerkrieg mit dem von der Sowjetunion begleiteten Sieg 1949 der KommunistInnen auf dem chinesischen Festland (3).
Die erste Periode bis 1953 der Volksrepublik, die Phase der sog. demokratischen Diktatur, war durch die Landreform und ein breites Bündnis, der „Allianz der Proletarier, Mittelbauern, Kleinbürger und der nationalen Bourgeoisie“, gekennzeichnet. Die Menschen, 85 Prozent arme analphabetische Bauern, sollten durch die KP im noch nicht vorhandenen „proletarischen Bewusstsein“ „erzogen“ werden. (4) In der Zeit von 1953 bis 1957 wurde nach sowjetischen Vorbild der erste Fünfjahresplan erfolgreich umgesetzt. Es wurde ein jährliches Wachstum des Nationalprodukts von 8 bis 9% erzielt. 1957/1958 erfolgte mit der Zwangskollektivierung die Orientierung auf die Volkskommunen und mit dem „Großen Sprung“ 1958-61 sollte nach dem Bruch mit dem sozialistischen Lager das Land sich rascher entwickeln, was in einer Katastrophe endete. Millionen verhungerten und jegliche intellektuelle Opposition gegen Maos alleinige Herrschaft wzrdemit der Ausrufung der „Kulturevolution“ ab 1966 ausgemerzt. Es begann die bis zu seinem Tod anhaltende „linksradikale“ Phase der chinesischen Revolution mit ihrer Attraktivität für die 68er und 1971 das Bündnis mit dem „Papiertiger“ USA gegen die nach „Hegemonie“ strebende Sowjetunion. Unmittelber nach Maos Tod wurde die linksradikale „Viererbande“ um Maos Witwe zerschlagen und unter Deng Xiaoping 1977 die bis heute anhaltende“Marktöffnung“ der VR und der „kapitalistische Weg“ zur Modernisierung und rascher Produktivkraftentwicklung eingeschlagen. Legte die VR China unter Mao das Fundament des Aufstiegs zur Weltmacht, so ist dies heute gelungen: Die KP Chinas führt das Land nach der Niederschlagung des Volksaufstandes 1989, dem „Tian’anmen- Massaker“(5), im 21. Jahrhundert zu nationaler und internationaler Größe.

Heute, nach erfolgreicher ökonomischer und sozialer Entwicklung, bleibt das fortbestehende uneingeschränkte „Machtmonopol“ der KP der Kritikpunkt des „Westens“ und gleichzeitig Hoffnung für Teile der weltweiten Linken. Im „Schwarzbuch des Kommunismus“ werden detailliert die nach Abermillionen zählenden Opfer aufgelistet und kein Staatsbesuch „westlicher“ Politiker in Peking versäumt es, die „Menschenrechte“ einzuklagen. Die ökonomische wie militärische Stärke der VR China, die zunehmende Abhängigkeit von Chinas Devisenreserven, begrenzt diese Wehklagen über die kommunistischen Verbrechen – noch. Die „westlich orientierte“ Demokratiebewegung in der Metropole Hongkong stellt offen das Machtmonopol der KP, zumindest in der Sonderverwaltungszone, in Frage. Noch ist dieser Aufbruch der gebildeten Jugend, wie damals 1989 auf dem Tian’anmen, relativ vom Festland isoliert. Der Ausgang dieser Volkserhebung ist noch nicht entschieden. Dass nun auch in China „die Welt aus den Fugen zu geraten“ droht, siehe D. Trump, sollte angesichts der leidvollen Geschiche Chinas eher nachdenklich stimmen.

Anmerkungen:
(1) Der Tian’anmen-Platz im Zentrum von Peking gilt mit seinen 39,6ha Fläche oft als größter befestigter Platz der Welt. An der Nordseite steht das Tian’anmen, eigentlich das Tor, hinter dem sich die verbotene Stadt anschloß. Beide sind erst seit der bürgerlichen Revolution von 1911 öffentlich zugänglich. (siehe das betreffende Stichwort bei wikipedia; siehe auch dort weitere Einträge zur VR China und zu Mao Zedong)
(2) Mao Zedong wurde am 26.Dezember 1893 als ältester Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie in der zentralchinesischen Provinz Hunan geboren und starb am 09.September 1976. Er war Führer der KP seit den zwanziger Jahren und deren Vorsitzender von 1943 bis zu seinem Tod, 1949–1954 auch Regierungschef sowie 1954–1959 Staatspräsident. Die weltweite politische Bewegung des Maoismus ist nach ihm benannt.
(3)Auf die Insel Formosa zogen sich die geschlagenen bürgerlichen Kräfte Chiang Kai-sheks zurück und vertraten bis 1972 China im Weltsicherheitsrat. Bis heute ist der Status dieser chinesischen Provinz umstritten und ungeklärt.
(4) In diese Zeit fällt die Beteiligung der VR China am Koreakrieg mit mehr als einer Million toter Soldaten und der Beginn der offenen Feindschaft zu den USA. China wird zur „Roten Gefahr“. Siehe auch die Annexion Tibets (oder dessen „Befreiung“) vom in – wie ausländischem Joch 1950/51. Wer der KP nicht folgte, wurde ausgemerzt.
(5) Im Unterschied zum europäischen sozialistischen Lager schlug die KP Chinas die demokratischen „Reformkräfte“ blutig nieder und übt damit bis jetzt die uneingeschränkte politische Macht aus.

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